Gebäude
Das Gebäude eines Distanzpferdes ist von großer Bedeutung. So führen Fehlstellungen der
Gliedmassen im Ausdauersport meistens zu ungünstiger Belastung und zu Schäden an Knochen, Bändern
oder Sehnen.
Das Distanzpferd muss nicht dem allgemein in der Warmblutzucht geltendem Ideal entsprechen. Vieles was im
klassischen Reiten als fehlerhaft angesehen wird, hat im Distanzsport zu vernachlässigende Auswirkungen. Oftmals
hat sich der "Ausschuss" der Warmblutverbände gerade als gutes Distanzpferd erwiesen. Das ist aber
natürlich nicht die Regel.
Grundsätzlich kann jede Anweichung vom Ideal zu negativen Auswirkungen (Schäden) führen - sie
muss es aber nicht zwangsläufig. Die Wahrscheinlichkeit, das sich eine Fehlstellung auswirkt ist
größer, aber es gibt gerade im Distanzsport vile Pferde mit deutlichen Gebäudemängeln, die
dennoch hervorragend laufen und diese anscheinend durch andere Stärken kompensieren.
Im Folgenden einige Hinweise zur Gebäudebeurteilung. Wer sich näher damit beschäftigen will, sollte
sich in der entsprechenden Literatur umsehen. (Ich werde mich noch um Anschauungsmaterial bemühen. Bitte etwas
Geduld...)
Gesamteindruck
Der Gesamteindruck sollte athletisch wirken. Schließlich handelt es sich um einen Ausdauersportler!
Keine kompakten Muskel- oder Körperpartien. Die Kühlung von massigen Muskelpartien kostet unnötig
Reserven. Ein trainiertes Distanzpferd verfügt über flache Muskeln, die wenig Energie verbrauchen und
somit weniger gekühlt werden müssen. Ein heller, wacher Ausdruck deuten auf ein agiles Temperament (s.Temperament). |
Bewegungen
Die wichtigste Gangart des Distanzpferdes ist der Trab. Er sollte raumgreifend,
leichtfüssig und flach sein.Ein Distanzpferd muss sich nicht durch schwebende, ausdrucksstarke Bewegungen
auszeichnen - im Gegenteil, ein aufwändiger Bewegungsablauf kostet mehr Kraft und belastet auch den Reiter
mehr. Beim jungen Pferd kann man vor dem Kauf schon gut beobachten, ob es von sich aus lieber trabt oder galoppiert.
Es gibt Pferde, die nicht so gut schnell traben können und den Galopp vorziehen. Auch sie können, mit
dem richtigen Training, sehr gute Distanzpferde werden. Sie werden aber meistens nicht gut traben lernen und sollten
somit auch nicht dazu gezwungen werden!
Auch der Galopp sollte schnell, flach und nicht zu aufwändig sein. Ein gutes
Durchspringen ist von Vorteil, stärkere Bergauftendenz nicht nötig. Viele Distanzpferde galoppieren nicht
im klaren 3-Takt sondern tendieren eher zum 4 -Takt,
was ökonomischer im Energieaufwand ist.
Der Schritt ist eigentlich die unwichtigste Gangart. Es wird ja selten im Schrit geritten!
Ein raumgreifender Schritt mit Übertritt ist lediglich für den Reiter bequemer, wenn er denn mal Schritt
reitet. Tendenzen zum Passgang sind unwesentlich und bei Gangpferden durchaus als
eigene Gangart ausgebildet. Bei diesen Pferden findet sich dann auch noch der Tölt,
der bei einigen dieser Rassen im Distanzsport den Trab ersetzt. Ein schneller Tölt mit wenig Aktion im Vorderbein
ist hier erstrebenswert und läßt den Reiter weich sitzen. |
Beine
Korrekte Stellung der Vorder- und Hinterbeine. Trockene Konturen der Sehnen und Gelenke können ein
Zeichen für gesunde Beine sein. Gallen gelten oft als Schönheitsfehler, können aber auch auf ein
Problem in dem Bereich hinweisen. Sehnen müssen klar erkenn- und ertastbar sein. Schwammige Bereiche deuten
auf Schäden hin. Überbeine dürfen nicht im Bereich der Sehnen liegen, wo sie Probleme verursachen
könnten. Große Gelenke, nicht eingeschnürt und ohne klobig zu wirken. Lange Beine die im guten
Verhältnis zum Rest des Pferdes stehen sollten. |
Hufe
Dem Pferd entsprechend (Also keine Shetty-Hufe für ein großes Pferd). Nicht zu steil oder zu
flach gewinkelt, gleichmässig im Wuchs. Hinterhufe sind immer etwas schmaler als die Vorderhufe. Die Zehenachse
von Fessel bis in den Huf darf nicht gebrochen sein. Die Konstistenz sollte fest sein ohne Hornspalten. Ausgefranste
Ränder deuten oftmals nur auf eine mangelnde Sorgfalt hin. Jeder Korrekturbeschlag sollte zunächst mißtrauisch
machen und gründlichst hinterfragt werden. Im Distanzsport können sich Kleinigkeiten schon negativ auswirken. |
Rücken
Ein nicht zu langer, nicht zu kurzer Rücken mit gut modellierter Sattellage und genügend Widerrist.
Dier Übergang in die Nierenpartie sollte harmonisch sein. Die Wirbelsäule darf keine Fehlstellungen aufweisen.
Die Rückenbemuskelung beim Distanzpferd ist oft sehr viel schwächer ausgebildet, als beim Dressurpferd,
sollte dennoch gleichmässig sein. |
Halsung
Der Hals ist die Balancierstange des Pferdes, sollte somit weder kurz und dick, noch zu lang sein. Darüberhinaus
ist ein leichtes Genock und ein harmonischer Übergang in die Schulter/Widerrictpartie wünschenswert,
aber nicht absolut notwendig. Ein Hirschhals deutet auf ein falsch gerittenes Pferd, ist aber für sich genommen,
kein Hinderungsgrund für die Distanzkarriere. |
Hinterhand
Ein steileres Hinterbein und eine schlechtere Winkelung im Sprunggelenk ist zu tolerieren. Die Hinterhandwinkelung
muss nicht so stark sein, da das Distanzpferd deutlich weniger Last aufnehmen muss, als ein Spring- oder
Dressurpferd. Eine leicht kuhhesssige
Stellung ist sogar erwünscht, weil sie das
Vorbeitreten der Hinterbeine an den Vorderbeinen
begünstigt. |
Vorhand
Korrekte Stellung. Nicht zu eng im Ellenbogenbereich, da hier leicht Scheuerstellen entstehen. Ebenso nicht
zu eng nebeneinander, so ist die Gefahr des Streifens größer. Eine steile Schulter begrenzt den Vortritt
des Vorderbeins, hier ist eine gut gewinkelte Schulter wünschenswerter. |
Kopf
Ist eigentlich völlig unerheblich! Schönheit ist kein Kriterium im Ausdauersport. Ein intelligentes
Gesicht, große Augen, breite Stirn, schmale Ohren und große Nüstern zeichnen viele Distanzpferde
aus. Aber es gibt auch andere... |
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