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Rittbericht
Reetzerhütte


von Giesela Seidel

Die Chaos-Taler in Reetzerhütten

So hatten wir genannt:
85 km-Ritt Gesa u. Lizziana Gaby und Rino (Kohinoor)
38 km-Ritt Christina und Arko (Alambic)
Steffi (zum ersten Mal dabei) mit Storno einem Haflinger
47 km-Fahrt Gaby u. Arko (am Sonntag)

Freitag:
Gaby war morgens von der Nachtschicht gekommen und wollte wenigstens 2 Stunden schlafen, die ich dazu nutzte, einen Kurzbesuch im Büro abzustatten.

Wir wollten mit den Pferden vorweg fahren und die Männer (Peter und mein lieber Mann) wollten mit dem großen Bau-Anhänger, auf dem der Sulky und noch alles mögliche Geraffel war, nachkommen.
Eigentlich war unsere Abfahrt für 14 Uhr geplant, damit wir dann gleich gegen 18 Uhr die Pferde voruntersuchen lassen können. Es wurde dann aber doch 16 Uhr. Im Radio Staumeldungen. Unfall auf der Autobahn zwischen Lehrte u. Hämelerwald. Wir sind artig die Umleitung gefahren und haben für die 40 km von Lehrte nach Braunschweig 3 Stunden gebraucht. Die Pferde waren auf dem Hänger äußerst ungemütlich, weil es ja beim Stop and Go recht warm wurde. Endlich waren wir auf der Autobahn! Dann kam von Gesa die Info per Handy, sie müsse an der nächsten Raststätte runter. Die Elektrik im Auto spinnt. Kurz und gut: Der ADAC kam, wechselte Sicherungen, drückte Gesa noch Reservesicherungen in die Hand und ab gings. Der Rest der Fahrt verlief dann problemlos.

In der Dämmerung kamen wir in Reetzerhütten an. Christina, die Stunden nach uns gefahren, aber klugerweise über Hildesheim und die B 1 in Braunschweig auf die Autobahn gefahren war, war Stunden vor uns da und hatte schon mal die Checkkarten geholt.

Das Paddock für die Pferde konnten wir noch aufbauen. Nur füttern ging nicht, weil Heu, Kraftfutter, Schüsseln usw. auf dem Bau-Anhänger waren.

Verzweifelt hatten wir versucht, unsere Männer per Handy zu erreichen. Doch leider ist der ganze Fläming ein einziges Funkloch. Schließlich hatten wir sie mit Wortfetzen erreichen können - sie standen immer noch im Stau!

Irgendwann zwischen ½ 1 und 1 kamen sie auf der Weide an. Dann wurde gefüttert, die Zelte mit Taschenlampenlicht aufgebaut usw. Mein lieber Mann und ich hatten ja ein Zimmer in einer Pension. Gegen 2 Uhr waren wir dann endlich im Bett und haben bis der Wecker um 5 Uhr schrie, nichts mehr gehört.

Samstag:
Auf der Wiese angekommen, wurde uns erzählt, daß nachts ein Unwetter war und keiner - auch die Pferde - geschlafen hätte. Das war der Augenblick, in dem wir überlegten, abzubrechen und zurückzufahren. Das ging aber nicht. Weil... Peter hatte einen schweren Migräneanfall. Es war eigentlich geplant, daß mein Mann und Peter die 85 km-Reiter trossen und ich die 38-km allein.

Also wurde umdisponiert. Christina und Steffi mußten ohne Troß reiten.
Peter habe ich dann in unsere Pension gebracht.

Pünktlich zum 85 km-Start war ich zurück, hatte aber in der Hektik nur die Hälfte unserer Troßsachen einpackt.

Bei der 85 km-Strecke war die 38 km-Runde 2 x zu reiten und beim 2. Mal war noch eine Schleife von 9 km angehängt worden.

Auf der Karte sah man nicht allzuviel. Weder Ortschaften noch sonst irgendwas. Die Mädels irgendwo auf der Strecke zu treffen hatten wir uns abgeschminkt. Aber wenigstens zur Pause wollten wir. Auch da war auf der Karte nicht ansatzweise auszumachen, wie wir da hinkommen. Ich bin dann in den "Saloon" geschlappt und hab mal nachgefragt. Mir wurde eröffnet, daß ja bei der Vorbesprechung gesagt wurde, daß die gesamte Rittstrecke zu befahren ist und anders kämen wir da auch nicht hin. Vorbesprechung hatten wir ja wg. Peter-Evakuierung nicht mitbekommen.

Also sind wir los. Mein Alter ist wieder richtig jung geworden. Der ist mit Peters Galopper durch die Sand- und Waldwege gebügelt wie in seinen besten Zeiten. Sogar Baumstämme haben wir mitgenommen. Ich hatte immer Angst umzukippen, weil wir ja noch das Dachzelt drauf hatten.

Die Strecke war hervorragend markiert. Die Mädels haben die Karte überhaupt nicht benutzt. Auch wir sind nur der Markierung hinterher gebrummt.

Die Strecke führte durch bewaldetes Gelände auf Wald- und Sandwegen, ohne Straßenüberquerungen (bis auf eine, die durch Helfer gut abgesichert war).

Irgendwann sind wir auf Wolfgang Barth gestoßen. Dazu muß man noch einen Sonderbericht abgeben. Wie dieser Mann seine Jugendlichen betreut hat, daß war wirklich einsame Spitze.

An den haben wir uns dann rangehängt und konnten dadurch unsere Pferde auch gut betreuen.

Es wurde verdammt schnell geritten, weil nie durchpariert werden mußte.

In der 38 km-Pause merkte man Lizziana und Rino an, daß sie müder waren, als gewohnt. Gesa u. Gaby beschlossen, das Tempo zu drosseln. Sie haben die Spitzengruppe aus der Pause reiten lassen und sind einige Minuten später raus.

In der nächsten Pause erzählte dann Gaby, daß Rino wohl ziemlich müde ist, weil er die im Wege liegenden Baumstämme nicht dazu nutze, Oxer davon zu machen und drüber zu springen. Er ist zwar drüber, aber mit weniger Elan, als sonst.

Um unsere 38-km-Mädels mußten wir uns keine Sorgen machen. An jeder Ecke und Wegbiegung waren Helfer mit Wasser. Ich habe noch keine Veranstaltung mit so vielen Helfern erlebt. Da gabs nicht nur Wasser für die Pferde, sondern auch Getränke für die Reiter/Tierärzte.

Regine Markowitsch muß irgendwie fliegen können. Egal, wo wir hinkamen, sie war schon da.

Rino hatte deutlich höhere Pulswerte als wir sonst von ihm kennen, auch Arkos Werte waren höher als normal und er wirkte auch müde, genauso wie Lizziana. Zu Storno können wir nichts sagen, weil wir das Pferd sonst ja nicht kennen.

Gaby hat lange überlegt und sich dann entschlossen, die 47-km-Fahrt mit Arko nicht zu machen, sondern lieber nach der Transportfreigabe nach Hause zu fahren.

Die Siegerehrung fand auf dem großen Sandplatz mit Pferden statt. Es gab Schleifen und Möhrchen für die Pferde. Gewonnen hat Ulrike Pottrick mit ihrem Eddy.

Eine so gut organisierte und betreute Veranstaltung mit lückenloser Markierung haben wir noch nicht erlebt. Und das war gut so, denn: Ein Fernseh-Team des SFB war angereist um eine Reportage von Renan Borowicz zu drehen.

Übrigens, gutes Menschenfutter gabs fast zum Selbstkostenpreis.

Für uns neu, war das Befahren der Rittstrecke, das normalerweise auch Gefahren birgt. Hier verlief es aber so problemlos, daß niemand gestört oder behindert wurde. So konnten auch wir Trosser mal mitreden, wenn es um die Streckenführung ging.
Giesela Seidel

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