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Distanzritt Nancy - Sabrina Arnold gewinnt über 130
km
Am 14. Juli fand im französischen Nancy ein Distanzritt mit reger
deutscher Beteiligung statt. Auf der 160 km-Strecke für die französische
Meisterschaft gingen nur wenige Ausländer an den Start, dafür auf dem 130
km-Ritt um so mehr, so auch allen deutschen Reiter. Einige, die genannt
hatten, reisten zwar gar nicht erst an, aber dennoch war die Liste der
deutschen Teilnehmer lang: Heike Ganster, Belinda Hitzler, Monika Kröz, Heike
Eberhard, die Deutschen Meister Sabrina Arnold und Te Quiero sowie zahlreiche
Jugendliche - Kerstin Volkmar, Jasmin Prehl, Nadine Bissinger, Caroline
Barth, Verena Müller, Annika Schönen und Lilian Lenartz - hatten den Weg
nach Nancy auf sich genommen. Alle deutschen Pferde kamen ohne Beanstandungen
durch die Voruntersuchung. Auch Jasmin Prehls Aken, die sich leider auf dem
Transport verletzt hatte, durfte nach ausführlicher Beratung der Tierärzte an
den Start.
Nach einer verregneten Nacht, in der so mancher Reiter froh
war, sein Pferd in der trockenen Box zu wissen, ging es um 5.15 Uhr für die
130 km-Reiter auf der Rennbahn los. Wie kurz zuvor bei den Hundertmeilern
verlief der Start problemlos; alle Reiter hatten ihre Pferde gut unter
Kontrolle - wichtig bei über siebzig Teilnehmern. Übrigens durften die
Reiter bis zum zweiten Gate mit Gerte reiten. Eine gute Idee, denn besonders
am Anfang ist diese aus Sicherheitsgründen bei schwierigen Pferden sinnvoll,
gleichzeitig hat der Reiter auf den letzten Kilometern nicht die
Möglichkeit, sein erschöpftes Pferd mit Gerte gewaltvoll ins Ziel zu
treiben. Kurz nach dem Start öffnete der Himmel wieder seine Schleusen;
Reiter, Pferde und Betreuer sollten noch häufiger im Laufe des Tages vom
Regen durchnäßt werden. Auch waren die unbefestigten Wege durch den
starken Regen der letzten Tage zum Teil ziemlich aufgeweicht. Belinda
und Sabrina ritten von Anfang an in der Spitzengruppe mit, doch bis zum
ersten Gate lag auch das restliche Feld mit den anderen deutschen Reiterinnen
noch recht dicht zusammen. Um Punkt 7.00 Uhr erreichten Sabrina und Te
Quiero das erste Vetgate in Pompey und gingen nur kurz darauf in die
vierzigminütige Pause. Wenige Minuten später folgten Belinda und
Experiment; Heike Eberhard und Ricco begannen um 7.18 Uhr ihre Pause und
innerhalb der nächsten 25 Minuten hatten auch alle anderen Deutschen ihre
In-Time.
Das zweite Vetgate lag an gleicher Stelle, wiederum mit vierzig
Minuten Pause. Die Schleife, die dazwischen zu reiten war, führte durch
mehrere Orte und eine Weile entlang einer Hauptstraße, was lange
Asphaltstrecken mit sich brachte. Dazwischen ging es ein paar Mal ordentlich
bergauf und bergab, und die Waldwege waren zum Teil unangenehm schlammig.
Bei trockenem Wetter wäre die gesamte Strecke bestimmt toll zu reiten
gewesen, aber so fluchten die Reiter abwechselnd über Matsch und Asphalt.
Hier zog sich das Feld auseinander. Während die Führenden zwar auch
ihre Geschwindigkeit zurücknahmen und hier deutlich langsamer als auf
allen anderen Streckenabschnitten ritten, drosselten die Vorsichtigeren
das Tempo noch stärker und gingen teilweise im Schritt, um kein verlorenes
Eisen zu riskieren. Trotz umsichtiger Reitweise erwischte aber es Kerstin
Volkmar, deren Pepe einen Klebebeschlag verlor. Auf dem dritten Streckenteil
folgte dann noch Nadine Bissingers German Classic, bei dem gleich zwei Eisen
erneuert werden mußten, was die beiden einiges an Zeit kostete. Sie konnten
jedoch weiterreiten, während Lilian Lenartz' Anouk im weiteren Verlauf mit
verlorenem Eisen fühlig gehen sollte, so das der Ritt für dieses Paar nach
rund 100 km zu Ende war.
Sabrina und Belinda kamen im zweiten Gate
wieder als erste an, gemeinsam mit fünf anderen Reitern. Te Quiero wurde um
9.44 Uhr erneut als erstes Pferd den Tierärzten vorgestellt und behielt die
Führung; Experiment folgte knapp zehn Minuten später. Leider gab es hier auch
die ersten Ausfälle unter den deutschen Reiterinnen. Die Transportverletzung
machte Aken nun doch Probleme, so daß der Ritt für Jasmin Prehl vorbei
war, und auch Annika Schönen und Tara mußten hier aufhören.
Nach dem
zweiten Vetgate ging es dann erst in flottem Tempo auf recht ebener Strecke
teils durch freies Feld, teils am oder im Wald entlang, bevor die Strecke
hinab in das Moseltal führte. Entlang der Mosel luden schöne
Wege dann weiterhin zu schnellem Reiten ein, bevor es durch ein
malerisches Dorf zum dritten und letzten Gate ging. Hier kam das Aus für
Belinda Hitzler und Experiment. Der Wallach machte zwar einen sehr frischen
Eindruck, kam aber einfach nicht mit den Pulswerten runter; auch im
vorherigen Vetgate hatte er relativ lange gebraucht. Zuvor war bereits
Sabrina Arnold angekommen, die mit ihrem Te Quiero direkt zu den Tierärzten
und damit in die Pause ging. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie
fünf Minuten Vorsprung auf ihre nächsten Verfolger Franck Lance und
Isabelle Dewerdt, gut zwölf Minuten auf die Schweizer Andreas Wirtz und Peter
Baumgartner. Nächste Deutsche waren Caroline Barth und Heike Eberhard.
Caroline und Barhal durften etwa 55 Minuten nach Sabrina Arnold wieder auf
die Strecke, während Heike Eberhards Ricco länger zum Regenerieren
brauchte. Heike Ganster, Monika Kröz, Nadine Bissinger, Verena Müller und
Kerstin Volkmar folgten in dieser Reihenfolge zwischen 90 und 110 Minuten
nach der Führenden; Lilian Lenartz schied wie bereits erwähnt nach einem
Eisenverlust aus.
Auf der letzten Etappe führte die Strecke vom Moseltal
aus bergauf und im Wald entlang der Höhe, bevor es wieder ins Tal und zurück
auf die Rennbahn von Nancy ging. Um 14:54 Uhr kam Sabrina Arnold mit Te
Quiero in einer reinen Reitzeit von 7 Std. 39 Min. (ca. 17 km/h = T3,5) als
erste der 130km-Reiter ins Ziel und anschließend ohne Beanstandungen durch
die Nachuntersuchung. Nur drei Wochen nach ihrem Sieg bei der Deutschen
Meisterschaft zeigten Pferd und Reiterin erneut eine herausragende Leistung.
Den beiden nachfolgenden Reitern erging es leider schlechter; ihre
Pferde wurden in der NU aus der Wertung genommen. Und so ging der zweite
Platz dann an den Schweizer Peter Baumgartner mit Le Grande Cirque vor
Isabelle Dewerdt mit Firmin De Gueudy aus Frankreich. Beachtlich ist dabei
auch der Abstand von rund 25 Minuten zwischen Sabrina Arnold und den
nächsten Plazierten. Auf den weiteren Plätzen folgten Estelle Beuzit (Farid
D'Amor), Dominique Limaux (Ewald De Martigny), Vivian Tennet mit dem erst
siebenjährigen Elioth. Platz 7 ging an die Britin Julie Maden mit Bengal
vor Céline Just mit ihrem sechsjährigen (!) Nabath. Als nächste deutsche
Teilnehmer kamen erst Caroline Barth mit Barhal und dann Verena Müller mit
Voltano ins Ziel. Für beide kam jedoch das Aus in
der Nachuntersuchung.
Nach 9 Std. 39 Min., also exakt zwei Stunden
nach Sabrina Arnold, überquerten Monika Kröz und Heike Ganster die Ziellinie.
Sie kamen mit frischen Pferden im Galopp auf die Rennbahn und lieferten
sich auf der Zielgeraden ein Bilderbuchfinish, wobei Monika Kröz' Reitar die
Nase knapp vor Schucks hatte. Platz 20 und 21 für die beiden Reiterinnen.
Etwas verdutzt ließen sie dabei noch einen Konkurrenten der 130km-Strecke und
eine Teilnehmerin der Hundertmeilers stehen, die beide Mühe hatten, ihre
Pferde überhaupt noch bis ins Ziel zu bringen. Rund zwanzig Minuten
später folgten Nadine Bissinger und Kerstin Volkmar gemeinsam auf Platz 27.
Heike Eberhardt kam als 32. ins Ziel, nachdem sie ihr Tempo auf den
letzten Kilometern zurücknehmen mußte, da Ricco langsam müde wurde. Nur 39
der 73 gestarteten Paare beendeten den 130km-Ritt erfolgreich. Auch im Ziel
urteilten die Tierärzte noch sehr streng und nahmen allein dort mehr als zehn
Pferd aus der Wertung.
Neue französische Meisterin wurde übrigens die
amtierende Vize-Weltmeisterin Cécille Miletto auf Dynamik in 8 Std 55 Min.
(17,95 km/h = T3,3) vor Jérémie Ollivier auf Alrika und Anne Detrez auf
Falene De La Drome.
Leider fiel die Siegerehrung sprichwörtlich in's
Wasser, und so ging es nicht zu Pferd auf die Rennbahn, sondern in das große
Festzelt. Nicht nur für die Sieger und Platzierten gab es etwas zu
gewinnen; alle Angekommenen erhielten diverse Sachpreise. Eine schöne
Veranstaltung in großartigem Rahmen fand hiermit ihren Abschluß. Auch
wenn es einige Ausfälle zu verzeichnen gab, können die deutschen Teilnehmer
mit ihrem Abschneiden in Nancy zufrieden sein. Die
Entscheidungen der Tierärzte waren zwar nicht unfair, aber insgesamt recht
hart, und am nächsten Tag machten die deutschen Pferde durchweg einen
guten Eindruck. Außerdem spiegelt die deutsche Ausfallquote nur den
Durchschnitt des gesamten Starterfelds wieder.
Sabine
Althaus
Zweiter Platz für Peter
Baumgartner in Nancy – Cécile Miletto französische Meisterin
Mit einem zweiten Platz über 130km und einer kompakten
Mannschaftsleistung hat das Swiss Endurance Team seine Leistung von
Perigord mehr als nur bestätigt. Die Direktiven von Suzanne Dollinger
(Chef d’Equipe) wurden vom gesamten Team umgesetzt. In diesem für die
EM-Qualifikation zählenden Wettbewerb hatten die Schweizer den Auftrag
sich kompetitiv zu verhalten und möglichst weite Strecken im Galopp zu
absolvieren, was einerseits höhere Tempi bedeutet, andererseits für die
Pferde wesentlich ökonomischer ist, als der traditionelle Trab. Von 8
gestarteten Schweizer Reitern wurden denn auch bei 76 Startenden fünf unter
den ersten 13 klassiert ( 40 klassierte), welche alle das Rennen in einem
Tempo von über 14,5km/h beendeten.
Peter Baumgartner auf Le Grand
Cirque, der 1999 die 130km von Nancy als 5. Beendete, war überglücklich über
seinen 2. Platz und meinte, dass er es endlich geschafft hätte seinen
Rhythmus zu finden Siegerin, Sabrina Arnold (Deutsche Junioren Meisterin
2001), welche das Rennen von Anbeginn kontrollierte gab ihre Führung nie aus
der Hand und gewann auf Te Quiero souverän mit einem Durchschnittstempo
von 17,11 km/h und einer Zeit von 7h39’25 vor Peter Baumgartner
(16,26km/h, +24‘02). Andy Wirz belegte den guten 8. Rang auf Hadban,
Gabi Haldimann (10.), Vroni Häusler und Gabi Abbühl (zeitgleich, 12.)
rundeten das gute Ergebnis ab. Sif unter Bea Holenstein, bis zum dritten
Vet-Gate an aussichtsreicher 3. Stelle, wurde wegen Lahmheit eliminiert. Das
gleiche Schicksal erlitt Don Juan VII unter Christine Rusterholz bereits
nach 64km. Doris Frei auf Sunkee als 7. im Ziel wurde in der
Schlusskontrolle wegen Lahmheit eliminiert, nachdem Sunkee auf dem letzten
Teilstück ein Eisen verlor.
Suzanne Dollinger und Lorenz Giese (Team Vet)
zeigten sich mit dieser Leistung sehr zufrieden. Auf die Selektion für die
EM 2001 in Peruggia angesprochen, werden die definitiven Entscheidungen am
12. August in Avenches getroffen. Die Selektionskriterien werden höher
angesetzt als in vorangehenden Jahren. Ziel ist es eine gute Mannschaft
für Jerez 2002 aufzubauen. Einige Reiterpaare werden anstelle der EM, in
Florac am 22. September über 160km starten (
FEI- Qualifikationsrennen).
Gleichzeitig mit dem traditionellen 130km
fand auf derselben Strecke die Französische Meisterschaft über 160km statt,
welche von der sympatischen Cécile Miletto auf Dynamik, vor Jérémie Ollivier
(Alrika) und Anne Detrez (Falene de la Drome) gewonnen wurde. Sie
verteidigte Ihren Titel aus dem Jahre 1999 erfolgreich. Die WM Zweite
erlitt fast das gleiche Schicksal wie in 2000 Compiègne. Dynamik stoppte
einfach 100m vor dem Ziel und zog Richtung Boxen. Es dauerte 3 Minuten bis
sich der Persik-Sohn davon überzeugen liess, das Rennen zu beenden.
Schlussendlich erfreute Miletto und Dynamik das Publikum mit einem
fulminanten Schlussspurt und gewann das Rennen mit einem Vorsprung von über
20 Minuten. Überglücklich auf die Flausen ihres Pferdes angesprochen: C’est
Dynamik! Die letzten 30km absolvierten die beiden in 20km/h, 5km/h schneller
als die Konkurrenz. Dynamik’s Frische in der Schlusskontrolle war so
beeindruckend, dass man nicht vermuten konnte, er sei fast 9 Stunden
unterwegs gewesen. Pierre Cazes (Chef d’Equipe Frankreich), auf die EM
angesprochen: Ich habe drei Top-Pferde für Peruggia, Dynamik, Varoussa
(Maya-Killa Perringerard) und Nida (Dominique Payen), die anderen muss ich
erst noch suchen.
Raphael Maiga Vielen Dank! SG |