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Rittbericht
Nancy/ Frankreich


von Sabine und Raphael Maiga

Distanzritt Nancy - Sabrina Arnold gewinnt über 130 km

 

Am 14. Juli fand im französischen Nancy ein Distanzritt mit reger deutscher
Beteiligung statt. Auf der 160 km-Strecke für die französische Meisterschaft
gingen nur wenige Ausländer an den Start, dafür auf dem 130 km-Ritt um so
mehr, so auch allen deutschen Reiter. Einige, die genannt hatten, reisten
zwar
gar nicht erst an, aber dennoch war die Liste der deutschen Teilnehmer lang:
Heike Ganster, Belinda Hitzler, Monika Kröz, Heike Eberhard, die Deutschen
Meister Sabrina Arnold und Te Quiero sowie zahlreiche Jugendliche - Kerstin
Volkmar, Jasmin Prehl, Nadine Bissinger, Caroline Barth, Verena Müller,
Annika
Schönen und Lilian Lenartz - hatten den Weg nach Nancy auf sich genommen.
Alle deutschen Pferde kamen ohne Beanstandungen durch die Voruntersuchung.
Auch Jasmin Prehls Aken, die sich leider auf dem Transport verletzt hatte,
durfte nach ausführlicher Beratung der Tierärzte an den Start.

Nach einer verregneten Nacht, in der so mancher Reiter froh war, sein Pferd
in der trockenen Box zu wissen, ging es um 5.15 Uhr für die 130 km-Reiter
auf
der Rennbahn los. Wie kurz zuvor bei den Hundertmeilern verlief der Start
problemlos; alle Reiter hatten ihre Pferde gut unter Kontrolle - wichtig bei
über siebzig Teilnehmern.
Übrigens durften die Reiter bis zum zweiten Gate mit Gerte reiten. Eine gute
Idee, denn besonders am Anfang ist diese aus Sicherheitsgründen bei
schwierigen Pferden sinnvoll, gleichzeitig hat der Reiter auf den letzten
Kilometern
nicht die Möglichkeit, sein erschöpftes Pferd mit Gerte gewaltvoll ins Ziel
zu treiben.
Kurz nach dem Start öffnete der Himmel wieder seine Schleusen; Reiter,
Pferde und Betreuer sollten noch häufiger im Laufe des Tages vom Regen
durchnäßt
werden. Auch waren die unbefestigten Wege durch den starken Regen der
letzten
Tage zum Teil ziemlich aufgeweicht.
Belinda und Sabrina ritten von Anfang an in der Spitzengruppe mit, doch bis
zum ersten Gate lag auch das restliche Feld mit den anderen deutschen
Reiterinnen noch recht dicht zusammen.
Um Punkt 7.00 Uhr erreichten Sabrina und Te Quiero das erste Vetgate in
Pompey und gingen nur kurz darauf in die vierzigminütige Pause. Wenige
Minuten
später folgten Belinda und Experiment; Heike Eberhard und Ricco begannen um
7.18 Uhr ihre Pause und innerhalb der nächsten 25 Minuten hatten auch alle
anderen Deutschen ihre In-Time.

Das zweite Vetgate lag an gleicher Stelle, wiederum mit vierzig Minuten
Pause. Die Schleife, die dazwischen zu reiten war, führte durch mehrere Orte
und
eine Weile entlang einer Hauptstraße, was lange Asphaltstrecken mit sich
brachte. Dazwischen ging es ein paar Mal ordentlich bergauf und bergab, und
die
Waldwege waren zum Teil unangenehm schlammig. Bei trockenem Wetter wäre die
gesamte Strecke bestimmt toll zu reiten gewesen, aber so fluchten die Reiter
abwechselnd über Matsch und Asphalt.
Hier zog sich das Feld auseinander. Während die Führenden zwar auch ihre
Geschwindigkeit zurücknahmen und hier deutlich langsamer als auf allen
anderen
Streckenabschnitten ritten, drosselten die Vorsichtigeren das Tempo noch
stärker und gingen teilweise im Schritt, um kein verlorenes Eisen zu
riskieren.
Trotz umsichtiger Reitweise erwischte aber es Kerstin Volkmar, deren Pepe
einen Klebebeschlag verlor. Auf dem dritten Streckenteil folgte dann noch
Nadine Bissingers German Classic, bei dem gleich zwei Eisen erneuert werden
mußten, was die beiden einiges an Zeit kostete. Sie konnten jedoch
weiterreiten,
während Lilian Lenartz' Anouk im weiteren Verlauf mit verlorenem Eisen
fühlig
gehen sollte, so das der Ritt für dieses Paar nach rund 100 km zu Ende war.


Sabrina und Belinda kamen im zweiten Gate wieder als erste an, gemeinsam mit
fünf anderen Reitern. Te Quiero wurde um 9.44 Uhr erneut als erstes Pferd
den Tierärzten vorgestellt und behielt die Führung; Experiment folgte knapp
zehn Minuten später. Leider gab es hier auch die ersten Ausfälle unter den
deutschen Reiterinnen. Die Transportverletzung machte Aken nun doch
Probleme, so
daß der Ritt für Jasmin Prehl vorbei war, und auch Annika Schönen und Tara
mußten hier aufhören.

Nach dem zweiten Vetgate ging es dann erst in flottem Tempo auf recht ebener
Strecke teils durch freies Feld, teils am oder im Wald entlang, bevor die
Strecke hinab in das Moseltal führte. Entlang der Mosel luden schöne Wege
dann
weiterhin zu schnellem Reiten ein, bevor es durch ein malerisches Dorf zum
dritten und letzten Gate ging.
Hier kam das Aus für Belinda Hitzler und Experiment. Der Wallach machte zwar
einen sehr frischen Eindruck, kam aber einfach nicht mit den Pulswerten
runter; auch im vorherigen Vetgate hatte er relativ lange gebraucht. Zuvor
war
bereits Sabrina Arnold angekommen, die mit ihrem Te Quiero direkt zu den
Tierärzten und damit in die Pause ging. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie fünf
Minuten
Vorsprung auf ihre nächsten Verfolger Franck Lance und Isabelle Dewerdt, gut
zwölf Minuten auf die Schweizer Andreas Wirtz und Peter Baumgartner.
Nächste Deutsche waren Caroline Barth und Heike Eberhard. Caroline und
Barhal durften etwa 55 Minuten nach Sabrina Arnold wieder auf die Strecke,
während
Heike Eberhards Ricco länger zum Regenerieren brauchte. Heike Ganster,
Monika Kröz, Nadine Bissinger, Verena Müller und Kerstin Volkmar folgten in
dieser
Reihenfolge zwischen 90 und 110 Minuten nach der Führenden; Lilian Lenartz
schied wie bereits erwähnt nach einem Eisenverlust aus.

Auf der letzten Etappe führte die Strecke vom Moseltal aus bergauf und im
Wald entlang der Höhe, bevor es wieder ins Tal und zurück auf die Rennbahn
von
Nancy ging.
Um 14:54 Uhr kam Sabrina Arnold mit Te Quiero in einer reinen Reitzeit von 7
Std. 39 Min. (ca. 17 km/h = T3,5) als erste der 130km-Reiter ins Ziel und
anschließend ohne Beanstandungen durch die Nachuntersuchung. Nur drei Wochen
nach ihrem Sieg bei der Deutschen Meisterschaft zeigten Pferd und Reiterin
erneut eine herausragende Leistung.
Den beiden nachfolgenden Reitern erging es leider schlechter; ihre Pferde
wurden in der NU aus der Wertung genommen. Und so ging der zweite Platz dann
an
den Schweizer Peter Baumgartner mit Le Grande Cirque vor Isabelle Dewerdt
mit Firmin De Gueudy aus Frankreich. Beachtlich ist dabei auch der Abstand
von
rund 25 Minuten zwischen Sabrina Arnold und den nächsten Plazierten.
Auf den weiteren Plätzen folgten Estelle Beuzit (Farid D'Amor), Dominique
Limaux (Ewald De Martigny), Vivian Tennet mit dem erst siebenjährigen
Elioth.
Platz 7 ging an die Britin Julie Maden mit Bengal vor Céline Just mit ihrem
sechsjährigen (!) Nabath.
Als nächste deutsche Teilnehmer kamen erst Caroline Barth mit Barhal und
dann Verena Müller mit Voltano ins Ziel. Für beide kam jedoch das Aus in der
Nachuntersuchung.

Nach 9 Std. 39 Min., also exakt zwei Stunden nach Sabrina Arnold,
überquerten Monika Kröz und Heike Ganster die Ziellinie. Sie kamen mit
frischen Pferden
im Galopp auf die Rennbahn und lieferten sich auf der Zielgeraden ein
Bilderbuchfinish, wobei Monika Kröz' Reitar die Nase knapp vor Schucks
hatte. Platz
20 und 21 für die beiden Reiterinnen. Etwas verdutzt ließen sie dabei noch
einen Konkurrenten der 130km-Strecke und eine Teilnehmerin der
Hundertmeilers
stehen, die beide Mühe hatten, ihre Pferde überhaupt noch bis ins Ziel zu
bringen.
Rund zwanzig Minuten später folgten Nadine Bissinger und Kerstin Volkmar
gemeinsam auf Platz 27. Heike Eberhardt kam als 32. ins Ziel, nachdem sie
ihr
Tempo auf den letzten Kilometern zurücknehmen mußte, da Ricco langsam müde
wurde.
Nur 39 der 73 gestarteten Paare beendeten den 130km-Ritt erfolgreich. Auch
im Ziel urteilten die Tierärzte noch sehr streng und nahmen allein dort mehr
als zehn Pferd aus der Wertung.

Neue französische Meisterin wurde übrigens die amtierende Vize-Weltmeisterin
Cécille Miletto auf Dynamik in 8 Std 55 Min. (17,95 km/h = T3,3) vor
Jérémie Ollivier auf Alrika und Anne Detrez auf Falene De La Drome.

Leider fiel die Siegerehrung sprichwörtlich in's Wasser, und so ging es
nicht zu Pferd auf die Rennbahn, sondern in das große Festzelt. Nicht nur
für die
Sieger und Platzierten gab es etwas zu gewinnen; alle Angekommenen erhielten
diverse Sachpreise. Eine schöne Veranstaltung in großartigem Rahmen fand
hiermit ihren Abschluß.
Auch wenn es einige Ausfälle zu verzeichnen gab, können die deutschen
Teilnehmer mit ihrem Abschneiden in Nancy zufrieden sein. Die Entscheidungen
der
Tierärzte waren zwar nicht unfair, aber insgesamt recht hart, und am
nächsten
Tag machten die deutschen Pferde durchweg einen guten Eindruck. Außerdem
spiegelt die deutsche Ausfallquote nur den Durchschnitt des gesamten
Starterfelds
wieder.



Sabine Althaus


Zweiter Platz für Peter Baumgartner in Nancy – Cécile Miletto französische Meisterin
Mit einem zweiten Platz über 130km und einer kompakten
Mannschaftsleistung hat das Swiss Endurance Team seine Leistung von
Perigord mehr als nur bestätigt. Die Direktiven von Suzanne Dollinger
(Chef d’Equipe) wurden vom gesamten Team umgesetzt. In diesem für die
EM-Qualifikation zählenden Wettbewerb hatten die Schweizer den
Auftrag sich kompetitiv zu verhalten und möglichst weite Strecken im
Galopp zu absolvieren, was einerseits höhere Tempi bedeutet,
andererseits für die Pferde wesentlich ökonomischer ist, als der
traditionelle Trab. Von 8 gestarteten Schweizer Reitern wurden denn
auch bei 76 Startenden fünf unter den ersten 13 klassiert ( 40
klassierte), welche alle das Rennen in einem Tempo von über 14,5km/h
beendeten.

Peter Baumgartner auf Le Grand Cirque, der 1999 die 130km von Nancy
als 5. Beendete, war überglücklich über seinen 2. Platz und meinte,
dass er es endlich geschafft hätte seinen Rhythmus zu finden
Siegerin, Sabrina Arnold (Deutsche Junioren Meisterin 2001), welche
das Rennen von Anbeginn kontrollierte gab ihre Führung nie aus der
Hand und gewann auf Te Quiero souverän mit einem Durchschnittstempo
von 17,11 km/h und einer Zeit von 7h39’25 vor Peter Baumgartner
(16,26km/h, +24‘02). Andy Wirz belegte den guten 8. Rang auf Hadban,
Gabi Haldimann (10.), Vroni Häusler und Gabi Abbühl (zeitgleich, 12.)
rundeten das gute Ergebnis ab. Sif unter Bea Holenstein, bis zum
dritten Vet-Gate an aussichtsreicher 3. Stelle, wurde wegen Lahmheit
eliminiert. Das gleiche Schicksal erlitt Don Juan VII unter Christine
Rusterholz bereits nach 64km. Doris Frei auf Sunkee als 7. im Ziel
wurde in der Schlusskontrolle wegen Lahmheit eliminiert, nachdem
Sunkee auf dem letzten Teilstück ein Eisen verlor.

Suzanne Dollinger und Lorenz Giese (Team Vet) zeigten sich mit dieser
Leistung sehr zufrieden. Auf die Selektion für die EM 2001 in
Peruggia angesprochen, werden die definitiven Entscheidungen am 12.
August in Avenches getroffen. Die Selektionskriterien werden höher
angesetzt als in vorangehenden Jahren. Ziel ist es eine gute
Mannschaft für Jerez 2002 aufzubauen. Einige Reiterpaare werden
anstelle der EM, in Florac am 22. September über 160km starten ( FEI-
Qualifikationsrennen).

Gleichzeitig mit dem traditionellen 130km fand auf derselben Strecke
die Französische Meisterschaft über 160km statt, welche von der
sympatischen Cécile Miletto auf Dynamik, vor Jérémie Ollivier
(Alrika) und Anne Detrez (Falene de la Drome) gewonnen wurde. Sie
verteidigte Ihren Titel aus dem Jahre 1999 erfolgreich. Die WM Zweite
erlitt fast das gleiche Schicksal wie in 2000 Compiègne. Dynamik
stoppte einfach 100m vor dem Ziel und zog Richtung Boxen. Es dauerte
3 Minuten bis sich der Persik-Sohn davon überzeugen liess, das Rennen
zu beenden. Schlussendlich erfreute Miletto und Dynamik das Publikum
mit einem fulminanten Schlussspurt und gewann das Rennen mit einem
Vorsprung von über 20 Minuten. Überglücklich auf die Flausen ihres
Pferdes angesprochen: C’est Dynamik! Die letzten 30km absolvierten
die beiden in 20km/h, 5km/h schneller als die Konkurrenz. Dynamik’s
Frische in der Schlusskontrolle war so beeindruckend, dass man nicht
vermuten konnte, er sei fast 9 Stunden unterwegs gewesen. Pierre
Cazes (Chef d’Equipe Frankreich), auf die EM angesprochen: Ich habe
drei Top-Pferde für Peruggia, Dynamik, Varoussa (Maya-Killa
Perringerard) und Nida (Dominique Payen), die anderen muss ich erst
noch suchen.

Raphael Maiga
Vielen Dank!

SG

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