| Mit einem neuen Pferd auf Distanz zu gehen, ist jedesmal was ganz besonderes. Godivas Distanzdebüt
gab sie im richtigen Ambiente: im brandenburgischen Haupt- und Landgestüt Neustadt/Dosse im Rahmen der nationalen
Schau arabischer Pferde.
Wie passend, ist Godiva doch immerhin ein halber Araber!
Und so vieles ist neu und muß noch gelernt werden....
Zunächst ersteinmal alleine unterwegs zu sein. Viel ist Godiva in ihrem Leben bisher noch nicht gereist und
so brüllte sie ihre Angst bei der Abfahrt auch lautstark heraus. Sie beruhigte sich aber rasch und zum Glück
dauerte die Fahrt auch nur eine knappe Stunde. Aber nun war sie mutterseelenallein in einem E-Paddock und nur fremde
Pferde um sie rum. Irgendwann akzeptierte sie auch das und freute sich über die bekannte Zweibeinergesellschaft.
Das Wetter war unfreundlich, für Juni unverschämt kalt und regnerisch.
Wir nutzten die Gelegenheit, die Voruntersuchung bereits am Freitag Abend zu machen und Godiva benahm sich sehr
artig und schwebte wundervoll die Vortrabbahn herunter. Bewundernde Blicke gab es ob ihrer "bodenverachtenden
Gänge" und viele Fragen wegen ihres arabischen Aussehens und ihrer schönen schwarzen Farbe.
Unter unsrem Pavillion sassen wir noch Abend nett zusammen mit Beate und ihrem Mann, die im April an einem unserer
Einführungsseminare teilgenommen hatten und unseren Nachbarn. Es war sehr nett und wurde doch recht spät,
aber das schöne an solch kurzen Ritte ist der späte Start....
Die Nacht war milde aber es begann später intensiv zu regnen, so daß ich unser Godivaly noch mit der
ihr unheimlichen Regendecke bekannt machen mußte. Doch als sie merkte, das der Regen sie nicht mehr erreichte,
war sie doch sehr zufrieden.
In aller Ruhe konnte ich morgens füttern und sogar fast ausschlafen.
Godiva war bei allem sehr aufmerksam aber ganz ruhig und gelassen. Der Start war ruhig und sie war eigentlich nur
mit Gucken ringsum beschäftigt, was mit diversen Tritten Imponiertrab einherging und meine Beine schon arg
strapazierte. Der Start die Alle hinunter war aber auch schon schwierig, weil uns Autos, Gespänne, reiter
und Fußgänger auf gleicher Strecke entgegenkamen.
In meinem Mitreiter Roger hatte ich ein gutes Begleitpferd und nette Gesellschaft gefunden und so trabten wir locker
die wunderschönen, etwas matschig gewordenen Waldwege vom Gestüt weg. Wolfgang Barth blieb kurze Zeit
später an uns hängen und so blieben wir den größten Teil der Strecke in diesem Dreiergespann.
Das Wetter war ideal: etwas kühl, drohender regen, der aber nie Erst machte. Die Strecke war spitzenmässig
markiert! Egal wie schnell man reiten wollte, hier war alles möglich!
Nach 17 km erreichten wir den ersten Vet-Check mit 5 min Zwangsaufenthalt für alle- eine sehr gute Möglichkeit,
um alles in Ruhe abzuwickeln. Godiva kam passend rein, wie sie sich überhaupt immer herrvorragend regenerierte.
Ich war schonmal sehr zufrieden. Nun ging es über 15 km zurück zum Gestüt und dann noch einmal die
gleiche Schleife.
Bei der Pause kam Godiva wieder passend rein, meine beiden Mitreiter mußten 5 bzw. 7 min warten. 40 min Pause
nutzte Godiva zum Grasen, war wach und munter und sah ganz zufrieden aus.
Auch als wir nun zunächst einmal alleine wieder los mußten, machte sie brav mit. Nicht mehr ganz so
guckig, wie am Morgen, war es doch noch etwas nervig ersteinmal aus dem Gestüt raus in den Wald zu kommen.
Einige Kilometer später war Roger auch wieder da, nur Wolfgang blieb nun zurück. Einige Kilometer vor
dem Vet-Check kam Godivas müder Punkt, doch sie lief trotzdem mit etwas Abstand zu Roger brav weiter. Bei
49 km wieder der Vet-Check und Roger ging eine Minute eher wieder auf die Strecke. Zwei weitere Reiter gingen noch
kurz vor ihm raus und dann folgte ich ihnen mit Godiva im leichten Galopp, sicher, sie gleich um die nächste
Ecke einzuholen. Doch sie waren verschwunden! Etwas überrascht, das die drei plötzlich so schnell geworden
waren, versuchte ich noch eine Weile etwas schneller zu reiten, nahm Godiva dann aber zurück und machte alleine
weiter. Ihr Tief hatte sie überwunden und trabte schön vorwärts als und plötzlich von hinten
wieder Roger einholte. Die Strecke war ummarkiert worden! Ich hatte es gar nicht bemerkk! War stur die Strecke
von morgens geritten.....
Gemeinsam kamen wir dann ins Ziel, Hand in Hand im leichten Canter.
Godiva war erstaunlich munter- ich hätte erwartet, daß sie etwas müder wäre beim ersten Mal....
Nachpulsen alles okay und nach zwei Stunden Nachuntersuchung ohne Probleme! Wunderbar! Godiva hat ihren Einstieg
geschafft.
Ganz überraschend war sie dann auch bei der wenig besetzten Warmblutwertung auf dem 3.Platz und bekam einen
riesengroßen Pokal!!!
Die Siegerehrung verzögerte sich wegen einen Protestes wurde aber schön von Regine durchgeführt.
Schade nur, daß sich sowohl die Sieger des 64 km Rittes, als auch der Sieger des EFR nicht mit ihrem Pferd
sehen ließen und das obwohl die Siegerehrung mit Pferd war.....! In den Ring der Araberschau werden sie wohl
auch nicht zu Fuß einmarschieren, also wieso wird die Siegerehrung des Distanzrittes, die Bestandteil des
Wettkampfes ist, so geringschätzig behandelt? Das haben die Veranstalter wirklich nicht verdient!
Danke an dieses tolle Team für einen hervorragenden Ritt mit der besten Markierung!
Sian
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