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Rittbericht
Rheinland-Pfalz-Saar Meisterschaft


von Ilka Fichtel, Kathrin Dollmeier und Uwe Rahn

Rheinland-Pfalz-Saar-Meisterin 2001 ermittelt!
Nachdem bei der Vorsprechung bekannt wurde, dass Brigitte Carl aus Uhler bei Kastellaun , die dreimalige Trägerin dieses Titels, nicht an den Start gehen würde, witterten einige Teilnehmer eine Chance auf den Titelgewinn. Wie jedes Jahr wurde nicht nur eine schriftliche Streckenbeschreibung ausgeteilt, die Strecke wurde am Vorabend sehr ausführlich und anschaulich beschrieben. Bei den Geländeschwierigkeiten, die im romantischen Hahnenbachtal bei Kirn zu erwarten waren, lohnte sich das Zuhören und Mitstenographieren. Es waren zwar "nur" 65 km pro Tag zu reiten, aber die anspruchsvolle Strecke erscheint dem Reiter immer etwas länger, die schnellsten benötigten 590 min für die 130 km. Allein die acht Durchquerungen des Hahnenbaches erforderten stets mehrere Minuten und kosteten damit Reitzeit. Vier der 28 Teilnehmer/innen schieden bereits am ersten Tag aus. Ziel war das Schlösschen Wasem, wo jemand vom Bundeskriminalamt am Nachmittag Sattelkennzeichnungen gegen Diebstahl vornahm. "Freizeit im Sattel" hat diese Aktion organisiert, um die Möglichkeit des Diebstahlschutzes von Lederzubehör für Pferde bekannter zu machen. Dieser Service war kostenlos, man wurde aber um eine Spende für den Tierschutzverein gebeten. 36 Sattelbesitzer aus der Region und Teilnehmer des Distanzrittes nahmen diesen Service in Anspruch.
Am Sonntagmorgen fragte sich sicher mancher, ob er sich nicht ein anderes Hobby suchen sollte, denn es goss in Strömen. Zwei Teilnehmerinnen hatten sich am ersten Tag ein Zeitpolster von ca. 30 min auf die Verfolger gesichert, die es nun zu verteidigen galt. Es schien lange zu gelingen, aber dann setzte Nadine Sommer ( aus dem Westerwald) mit dem Hosteiner-Vollblut Mix "Lucky Bonita" zur Aufholjagd an, welche ihr auch gelungen wäre, wenn sie sich nicht kurz vor dem Ziel verritten hätte. So erreichte sie hinter Susanne Fischer (Deutsche Trekking Vizemeisterin) mit dem Deutschen Reitpony Lea und Ilka Fichtel mit dem im Besitz von Christine Andres ( Hennweiler) stehenden Araber-Connemara Hengst "Kimbal", den dritten Platz mit 10 min Abstand. Da die Zeitschnellsten jedoch keinen Wohnsitz in Rheinland-Pfalz haben, konnten den Titel nicht erringen, dieser ging verdientermaßen an Nadine Sommer aus dem Westerwald. Der Konditionspreis wurde an Kimbal vergeben.
Ilka Fichtel


Rheinland-Pfalz-Meisterschaft

Am 14/15 September fand er statt. Die Strecke ging von Bell bei Kastellaun nach Hennweiler (65km) am Samstag und am Sonntag sollte das ganze wieder zurückgehen. Die ganze Woche vorher war es naß und kalt und nicht besonders einladend, also stieg zumindest meine Hoffnung auf ein halbwegs trockenes Wochenende. Nachdem ich dann am Donnerstag mit großer Sorgfalt mein Fahrzeug beladen hatte, ging es am Freitag morgen los. Einen riesen Stapel Decken hatte ich dabei, man kann ja nie wissen ... , hatte ich auch genug Heu und Futter und dies und jenes...? . So eine Checkliste ist klasse, man startet ja nicht jedes Wochenende und hat da doch einige Unsicherheit.
Nach 6 Stunden Fahrt und Stau und Nerv, Scheibenwischer Stufe 3, kamen wir endlich in Bell an. Es war eigentlich groß noch niemand da, obwohl es immerhin schon fast 17:00 Uhr war. Wir suchten uns ein Plätzchen, wie sich später herausstellte war das sehr schlecht. Die ganze Nacht ging ein Gebläse an und aus , nebendran bellten Hunde, na prima, da war das nix mit schlafen, war eh zu aufgeregt. Wir liefen dann etwas spazieren, natürlich nicht in Richtung des Starts, das hatte ich so schnell nicht gecheckt (Anfänger...). Harad lebte sich in seinem Paddock ein und fraß schonmal das Gesträuch, Hainbuche ist nicht giftig ... so warteten wir dann auf den Tierarzt. Wasser gab es irgendwie keines, der Wirt des Restaurantes weigerte sich und wollte auch noch 0,50DM für die Toilettenbenutzung. Zufällig gab es gerade Training auf dem anliegenden Fussballplatz, dort bekamen wir dann Wasser.
Inzwischen reisten immer mehr Menschen mit Pferden an, so etwa 30 Reiterpärchen mit Gefolge waren es schließlich. Sehr gründlich wurde Harad vom Tierarzt untersucht, misstrauisch besah er sich die Barfüsse. Dieser Ritt war als Barfussritt ausgeschrieben und ich wollte bei dem rutschigen Boden auch keine Hufschuhe anziehen. Auf Asphalt mit Steinen zuckte Harad aber schon.
Die Streckenkarten wurden verteilt und im Restaurant saß nun jeder (fast) über seiner Karte und übernahm die Strecke von der schlecht zu lesenden Schwarzweiß Kopie in seine topografische Karte. Danach kam die Rittbesprechung. Neben Kleinigkeiten kam dann der Teil mit dem Hahnenbach, 8 mal sollte er durchquert werden und es seien letztes Jahr auch schon welche im Sumpf stecken geblieben. Bert Fichtel machte einem richtig Mut. Die Einstiege seien mit Sorgfalt zu suchen ... ah ja .
Langsam machte sich mehr und mehr Nervosität breit. Irgendwie unguten Gefühls gingen wir dann in unser Lager.
Der Morgen begann sehr früh, geschlafen hatte ich gar nicht, entweder Gebläse , oder Auto, oder Hunde, oder kalt, oder nervös, es wechselte sich ab. Pferd füttern und anfangen die Sachen für das Trossauto bereitzustellen. Mein Tross , meine Mutter und Silvan, schliefen noch seelig. Frühstück im Stehen, putzen, satteln.
Dann ging es endlich los. "geführt bis über die Straße" gingen wir zu einem Punkt gemeinsam im Schritt, wenigstens etwas Aufwärmphase. Nach der ersten Hecke bließ uns ein eisiger Wind entgegen. Ich versuchte schonmal mich zu orientieren, klappte aber nicht, da ich in dem Trubel von Pferden aufpassen mußte was meiner macht.
Dann ging das Rennen los, über einen Bach, einige wollten nicht drüber und den Hügel hoch und und und. Ein ganzer Pulk Pferde blieb zusammen und es wurde flott geritten. An Karte lesen war nicht zu denken, ich hatte keine Ahnung wo ich war.
Es war rutschig und in einer Kurve stürzte auch ein Paar, sie standen unverletzt wieder auf. Harad war gut in Form und wie ich fand waren wir nicht schlecht vorbereitet. Die Landschaft war sehr schön, freie Fläche wechselte mit verschlungenen Pfaden in Laubwäldern ab. Viel zu spät sah ich , daß wir schon recht nah am 1. Stop waren (Anfänger...) und ging zu spät langsamer. Meine Mutter empfing uns mit warmen Decken und heißem Tee. Mit Puls 60 waren wir eigentlich ok, Nachmessen bei Puls 50, auch ok, denn es waren viele Pferde im Stop, zwei Hengste und es war sehr unruhig. Gleich zweimal pinkelte Harad, auch gut. Immer wieder flogen uns die Decken vom Pferd, der Wind war eisig. Dann kam das Aus beim Vortraben. Harad eierte seltsam sowohl auf Asphalt als auch auf Gras. Verkühlt vermutlich, in der Checkkarte heißt es lahm vorne links. Schade.
Wir fuhren dann mit ihm zum Ziel und warteten auf die anderen und drückten natürlich vor allem die Wetterdaumen. Harad machte einen sehr betrübten Eindruck, fraß schlecht . Noch weitere 4 Pferde wurden aus ähnlichem Grund am ersten Tag ausgemustert. In der Nacht regnete es kräftig und Harad fraß kein Kraftfutter. Am morgen sah er sehr unglücklich aus, den Kopf patschnaß, er haßt das, sowas gibt es halt in der Wüste nicht. Die anderen hatten sich trotz Regen aufgemacht und wurden für die Mühe belohnt. Zum Start hörte der Regen auf und es sah zumindest aus als wenn es so bleiben sollte.
Wir packten unser Zeug und machten uns auf den Heimweg. Zuhause angekommen ging es Harad auch schnell besser. Er war noch nicht ganz da , da rupfte er schon das erste Heu im Vorbeigehen. Lahm war er nicht, ich habe ihn ausgiebig untersucht. Ich war eigentlich auch nicht zu schnell gegangen, denn das Tempo hatte ich im Training auch häufig geritten. Als Anfänger bleibt da die Unsicherheit über die Ursache des frühen Ausscheidens.
Vielleicht haben wir ja im nächsten Jahr nocheinmal die Chance diese wunderschöne Strecke zu reiten.
Kathrin



Ritt zum Schlößchen Wasem oder Abenteuer und Survival Training
2 Tages Distanz Hin und Rück , je 65 Km

Dieser Ritt stand schon einige Zeit auf meiner Liste der Ritte, die ich auf jeden Fall mal reiten wollte. Hatte ich doch nur Positives gehört.....
Also entschloß ich mich kurzerhand zur Nennung, mal wieder auf dem letzten Drücker, aber beim Feuerkreis sieht man das ja gelassen. Mein Troß Hans fiel drei Tage vor dem Ritt aus und so bot sich Freundin Marion aus der Eifel an, mich mit ihrem Wohnmobil zu coachen. Das Angebot nahm ich besonders gerne an, allein die Aussicht, trocken und warm zu schlafen und aufzustehen, ließ mich schnell zusagen. Wir trafen uns auf einem Rastplatz und fuhren dann im Convoy zum Ferienpark Bell, an der Hunsrücker Höhenstraße gelegen. Nach Berts Anfahrtsbeschreibung fuhren wir bald 20 Km durch die Dörfer, wahrscheinlich wollte er uns den Hunsrück zeigen, wir hätten gut eine Abfahrt später von der AB gekonnt.(Beim Rückweg waren wir dann so schlau).
In Bell wurden wir gleich eingewiesen und bekamen schöne Paddocks mit Gras, es verteilte sich alles gut. Hier war reichlich Platz unter den Bäumen und am Sportplatz. Nun trudelten nach und nach die Reiter ein und Tierarzt Dr. Sauer fing mit der Voruntersuchung in lockerer, kompetenter Manier an. Ich finde es immer sehr beruhigend, wenn der TA gleich die Schwachstellen des Pferdes entdeckt, jeder Erfahrene kennt sie ja selber und ein TA , der sie nicht sieht oder erfühlt sinkt in meinem Ansehen ein wenig. Hier sagte mir George Sauer sofort, was wann mal wo gewesen ist und ich konnte es nur bestätigen. Klasse.
Das Pferd unter guter Beobachtung wissend, reitet sich gerade eine 2 Tagesdistanz beruhigter.
Abends dann die bühnenreife Vorbesprechung von Bert, ich sah mich schon als Wasserleiche den Hahnenbach entlang treiben, mein Pferd in den Fluten ertrunken. Um meinen Beschlag wurde mir Angst und Bange, zum Glück hatte ich Ersatz mit (den ich dann wirklich brauchte).
Um 8 Uhr morgens gab es dann einen geführten Massenstart über die ersten Kilometer. Hier gab direkt einen Bach zu überspringen, wir gingen lieber über eine Überführung etwas weiter weg gelegen.
Kurz nachdem das Feld los trabte befand ich mich in einer Gruppe mit Ilka und Susanne. Ilka fing grade einen Satz an mit: "hier hat sich im letzten Jahr ein Reiter..." und schon lag ich da, Pferd einfach in der Kurve weg gerutscht. Rutschpartien gab es noch reichlich und ich hatte ständig Angst um Masirahs Beine.
Die Gegend war umwerfend und ich genoß jede Aussicht, ritt ich doch mit der Vize Trekkingmeisterin und der streckenkundigen Ilka zusammen. So ließ ich meine Karte in der Tasche. Kurz vorm Stop bei KM 47 ereilte mich das Schicksal vieler: Beschlag weg, d.h. ein Stück Kunststoff war abgebrochen, das kommt davon wenn man fremdgeht, hatte mal keine "Marathons" drunter. Streckenposten Paul wurde geholt, und so bekam ich in in Windeseile ein neue Platte, bevor ich dann allein den Weg Richtung Hahnenbachtal antrat. Da ich nun so langsam ritt, wurde ich bald eingeholt und wir ritten zu viert ins Tal.
Habe selten so ein tolles Tal gesehen, man musste wirklich in den Bach springen, um dort hin zu kommen, Natur pur. Einige Male wurden die Seiten gewechselt immer verbunden mit Ein- und Aussprüngen aus dem reißenden Bach. Alle Pferde machten das seltsamerweise ohne mit der Wimper zu zucken! Zum Tagesetappenziel war es dann nicht mehr weit und die schönen Wiesenwege waren die reine Erholung. Am letzten Kontrollpunkt trafen wir dann das Distanz Check Team aus Bochum, die eigens mit 4 Helfern angereist waren (buchbares Helferteam!!). Am Schlößchen Wasem erwartete uns dann eine große Wiese und tolle Verpflegung, es gab die berühmten gefüllten Klöße, Salat und Wein satt.
Im Schlößchen konnte man sich duschen, was ich natürlich ausnutzte. So verpaßte ich dann prompt das für den Abend angesetzte Feuerkreistreffen, was mir schon peinlich war. Der Rest des Abends verging feucht fröhlich und es wurde wieder offensichtlich, daß Präsidiumsmitglieder auch nur Menschen sind!!
Die ganze Nacht hatte es durchgeregnet und so fragte manch einer sich, ob er denn wirklich den Rückweg antreten solle. Ich hatte auch arg mit mir zu kämpfen und wollte am liebsten nach dem tollen Frühstück gar nicht mehr raus. Irgendwann saßen alle wieder auf ihren Pferden und siehe da, es hörte auf zu regnen und teilweise schien die Sonne. Der Ausstieg aus dem Tal war besonders abenteuerlich: hier mußten wir absteigen und die Pferde allein hochlaufen lassen, wir auf allen vieren hinterher. Ich ritt mittlerweile mit Sigrun zusammen, die beiden Traber Carossi und Masirah liefen hervorragend. Und da wir die Anwärterin auf die RP Meisterschaft mit nur 1 Minute Vorsprung immer vor uns hatten, zogen wir das Tempo an. Es gab ein kleines Rennen, das in einem Galopp in die Pause endete. Als das Mädel dann im Galopp aus der letzten Pause ging, gaben wir die Verfolgung auf. Hätten wir geahnt , daß sie sich verreitet, wären wir etwas flotter geritten, so konnte sie nur genau ihre Minute aus dem Vortag halten.
Im Ziel fing es dann an, zu regnen und ich genoß den Luxus von Marions Wohnmobil. Siegerehrung war im Gasthof des Ferienparks, jeder bekam eine Zinnplakette, die Siegerin der RP Meisterschaft bekam ein Schärpe und eine tolle Plakette.

Nach einem leckeren Salatteller machte ich mich dann auch wieder auf den Rückweg, bis zum Rand mit Eindrücken aus den zwei Tagen beladen.

Danke an alle , die diesen Ritt möglich gemacht haben.

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