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Rittbericht
Hennweiler


von Christiane Stehr und Sabine Althaus

Formel 1 im Vogelsberg oder Hessenmeisterschaft 2001; 130 km rund um Birstein.

Am Samstag, den 21.7., waren die ersten 80 km angesagt. Von 30 Nennungen gingen 26 ins Rennen. Marina Nussbaum mit Lümmel, Claudia Operchalsky - zum ersten Mal überhaupt auf einem Distanzritt - mit dem Hengst Shazim und ich mit Kaysouna wollten zusammen reiten. Um 8 Uhr war Massenstart. Es war schönes Wetter, noch nicht zu heiß, und ein kühler Wind wehte. Gleich zu Beginn ging es in schnellem Tempo los. Marina muss ihrem Lümmel wohl die doppelte Portion Hafer gegeben haben, na, jedenfalls sie ward nicht mehr gesehen und mit der Spitze auf und davon. Claudia und ich konnten unsere Pferde nur mit Mühe auf unser geplantes Tempo zurückhalten.
Die Hausstrecke von Hannes war vom Birstein-Team super makiert und führte durch die hügelige Vogelsberglandschaft auf überwiegend unbefestigten Wegen.
Im Vetgate nach 25 km in Hintersteinau wartete Marina bereits seit 15 Minuten auf uns, strahlte und stöhnte zugleich "ich konnte ihn nicht mehr halten, er wollte mit der Spitze laufen". Man muss dazu wissen, Lümmel war über 1 Jahr fußkrank. Wieder zu dritt trabten wir dann flott weiter. In Bierstein, in der 50-km-Pause, verlor Claudia
wegen der Pulskontrolle 4 Minuten auf uns. Nun, es ist die Hessenmeisterschaft und wir
gingen die letzten 30 km des Tages ohne sie an. Irgendwann wurden wir von Ricky Bundels und Ellen Weiß eingeholt. Und bei einem flotten Galopp hat Lümmel sich leider ein Eisen abgetreten, so dass Marina aufhören mußte. Nach dem letzten Vet-Check auf dem Gemmerhof in Spielberg, ca. 15km vor dem Ziel, zog Ricky das Tempo ganz schön an, im flotten Trab oder im zügigem Galopp. Aber wir ließen uns nicht mehr abhängen und so stürmten wir nach 5 h 26 Reitzeit ins Ziel.
Bis zum nächsten Morgen hatte sich die Reiterschar um mehr als die Hälfte gelichtet.
Für viele Pferde war das Tempo wohl doch zu schnell gewesen. Am Sonntag, bei deutlich höheren Temperaturen, die gleiche Situation: Die Meisterschleife in 50 km vor Augen, stürmte die Spitzengruppe im Galopp auf und davon. Henning mit 4 Minuten Vorsprung vor Heinz und Harry. Ich ritt wieder mit Claudia, unsere Pferde gingen heute deutlich ruhiger und man hatte jetzt doch schon öfters einen Blick für die schöne Landschaft. Obwohl ich dachte, daß wir langsamer ritten als gestern, kamen wir in der gleichen Zeit (T3.3) ins Vetgate. Die Spitze war natürlich längst da (T2,6!). Zwei Reiterinnen aus der Spitzengruppe mussten für dieses Tempo zahlen, ihre Pferde schieden wegen zu hoher Pulswerte aus. Da waren es nur noch 10.
Nach der Pause merkte man schon, dass die Pferde nicht mehr so frisch waren wie am
Vortag. Sie schlugen sich öfters an die Eisen und schlitterten häufiger über das strohtrockene, glatte Gras. Ca. 7 km vor dem Ziel sahen wir Ricky bei seiner Profitätigkeit: er musste "mal wieder" ein Eisen aufnageln und büßte dadurch Zeit ein. Wir kamen dicht an ihn heran, in der Gesamtzeit lag er jetzt eine Minute vor mir. Da erinnerte ich, dass wir auf einem Meisterschaftsritt waren, und fragte Claudia: "wie läuft Dein Hengst"? Sie sagte, "er ist noch gut drauf". Also zogen wir an den zweien vorbei und legten die letzten Kilometer fast nur im Galopp zurück. Im Ziel mit einem Vorsprung von 3 Minuten auf Ricky. Claudia beendete den Ritt auf Position acht: Das Ende der Anspannung und die Freude über den Erfolg trieben ihr die Tränen in die Augen - ich glaube, die Distanzreiterei hat einen neuen Fan mehr. Unsere Pferde haben den Ritt super überstanden, ich allerdings mit einem blauem Auge; meine Stute schnickt so gern mit dem Kopf.
Hier möchte ich mich nochmals und ausdrücklich auch im Namen unserer Pferde bei unserem Tross bedanken, bei Stefan Schaffert und seinem Team und bei meinem Mann . Und natürlich bei Dieter Hannes und seinem Team für die tolle Veranstaltung. Sogar das
Fernsehen der Hessenschau und Reporter der Frankfurter Rundschau fieberten mit.
Siegerin ist eine tolle Anne Buschmann mit ihrem Wallach Zarif El Moniet. Henning
hat sich mit seiner 18jährigen Khandi nicht abhängen lassen und ist Hessenmeister 2001 vor Heinz und Harry. Glückwunsch!
Dr. Christiane Stehr

 


Hessische Meisterschaften im Distanzreiten - Titel für Henning Doderer

Am 21./22.07.01 fanden in Birstein im Vogelsberg die Hessischen
Meisterschaften im Distanzreiten statt. Insgesamt 32 Starter aus ganz
Deutschland gingen am Samstagmorgen um 8.00 Uhr auf die landschaftlich sehr
schöne und gut zu reitende Strecke; 26 von ihnen wollten den Zweitagesritt
mit 80 km am Samstag und 50 km am Sonntag reiten, sechs nur die 80 km am
Samstag.
Bei schon jetzt strahlendem Sonnenschein legten die Reiter an der Spitze von
Anfang an ein hohes Tempo vor. Bereits nach 1 Std 9 Min erreichten die
Führenden das ersten Vetgate nach nicht ganz 25 km, und um 9.18 Uhr stellte
Anne Buschmann ihren Zarief El Moniet als erstes den Tierärzten vor. Aber
auch die anderen Teilnehmer folgten mit recht kurzem Abstand, und so waren
die
ersten noch da, als die letzten ankamen. Bei der Untersuchung gab es zwar
ein
wenig Gedränge, aber für die Pause stand den Reitern eine große Wiese mit
viel Gras zu Verfügung, idyllisch gelegen am Hof von Heinz Leipold in
Hintersteinau.
Bedingt durch das schnelle Tempo und den nicht zu unterschätzenden Boden kam
für einige Teilnehmer bereits hier das vorzeitige Aus.

Auch auf dem Weg zurück nach Birstein, wo das zweite Vetgate lag, blieben
die Reiter im Vorderfeld dicht zusammen. Jens Nahke ließ sich mit seiner
Ganja, der die heißen Temperaturen nicht gefielen, etwas zurückfallen,
ebenso Ellen Weiß und Yuma. So kamen Anne Buschmann auf Zarief El Moniet und
Christine Schaab auf Sascha als erste im zweiten Gate an, gefolgt von
Henning
Dorderer und Khandi, der sich zuvor von der nachfolgenden Eike Ebert auf
Ambra Al
Shari sowie von Harry May (Giofra) und Heinz Leipold (Shiwa) hatte absetzen
können.
Von den 80 km-Reitern kam Maren Chuckson auf Orofeng als erste im zweiten
Gate an, gefolgt von Hermann Piechotka auf Flor; die nächsten Paare dieser
Konkurrenz folgten mit gut 30 Min. Abstand.
Wieder nahmen die Tierärzte mehrere Pferde aus dem Rennen.

Auf der abschließenden 30 km-Schleife nahmen alle ihr Tempo etwas zurück,
denn in der Mittagshitze ging es jetzt häufig über freies Feld ohne
Schatten. Auf der Schleife gab es noch einen Vetcheck, in dem leider das Aus
für Eike Ebert kam, deren Ambra Al Shaari sich im Laufe des Rittes verletzt
hatte und jetzt lahm ging. Zwei weitere Reiterinnen gaben an dieser Stelle
freiwillig auf, so daß noch siebzehn Teilnehmer des Zweitagesrittes im
Rennen
waren.
Hier gab es auch den einziges Ausfall unter den Reitern, die nur die 80 km
genannt hatten.

Nach 5 Std. 08 Min. erreichte die Göttingerin Maren Chuckson als erste das
Ziel und gewann damit den 80 km-Ritt. Ihrem Vollblüter Orofeng wurde
außerdem der Konditionspreis für diese Konkurrenz verliehen. Der zweite
Platz über 80 km ging an Hermann Piechotka aus Wermelskirchen, der mit Flor
5
Std. 25 Min. für die Strecke benötigte. Auf den weiteren Plätzen dieses
Wettbewerbs folgten mit deutlichem Abstand Carolin Hitzer aus dem
schwäbischen
Neidlingen auf dem Araberwallach Celeborn, Thomas Kern aus Herbsthausen auf
der
Araber-Berberin Etna und die Dielheimerin Irina Janietz auf dem Andalusier
Bailoso.

Zwei Minuten nach Maren Chuckson kam Anne Buschmann als erste der 130
km-Reiter ins Ziel, danach Henning Doderer mit drei Minuten Rückstand. Ihm
folgten vier Minuten später Harry May und Heinz Leipold, und in den nächsten
zehn Minuten kamen noch weitere fünf Reiter an, die damit für den Sonntag in
aussichtsreicher Position lagen. Die verbleibenden acht Paare folgten mit
größerem Abstand; ein Pferd wurde wegen eines Gurtdrucks in der
Nachuntersuchung aus der Wertung genommen.
Jens Nahke entschloß sich, seiner Ganja die 50 km am Sonntag zu ersparen und
beendete den Ritt freiwillig nach 80 km in der Wertung. Somit war bereits am
Samstagabend sicher, daß es einen neuen Hessenmeister geben würde. Auch
Manuela Welzenbach aus Burgsinn wollte ihre Mylady am Sonntag nicht mehr auf
die Strecke schicken und beendete den Ritt vorzeitig nach 80 km.

Am Samstagabend wurden die Teilnehmer des 80 km-Rittes sowie die beiden
"Aufhörer" geehrt und mit Pokalen, Stallplaketten und zahlreichen
Sachpreisen bedacht, bevor man zum gemütlichem Zusammensein im bewirteten
Festzelt überging.

Nachdem in der morgendlichen Voruntersuchung noch zwei Pferde von den
Tierärzten aus der Wertung genommen wurden, gingen nur noch zwölf Paare am
Sonntag an den Start. Bei noch erträglichen Temperaturen ging es in flottem
Galopp um 8.00 Uhr los, und bereits um 9.06 Uhr kamen die ersten sechs
Reiter
gleichzeitig im Vetgate an. Wieder holte sich Anne Buschmann um 9.14 Uhr als
erste ihre In-Time, eine Minute vor Henning Doderer und Heinz Leipold. Kurz
danach folgten Ellen Weiß und Harry May. Christine Schaabs Reitpony Sascha
kam mit den Pulswerten nicht runter, so daß die beiden hier ausschieden. Die
als nächste angekommene Tina Horn gab freiwillig auf, da ihre
Oldenburgerstute
Warina ebenfalls nicht gut regenerierte. Fünfzehn bzw. knapp dreißig Minuten
nach der Spitzengruppe kamen die verbleibenden Teilnehmer im Vetgate an,
holten sich binnen weniger Minuten ihre In-Time und konnten alle wieder auf
die
Strecke gehen.

Um 11.18 Uhr galoppierten Heinz Weiß, Henning Doderer und Anne Buschmann
gemeinsam über die Ziellinie. Durch den dreiminütigen Vorsprung vom Samstag
ging der Gesamtsieg der Birstein-Distanz somit an Anne Buschmann auf dem
fünfzehnjährigen Vollblutaraber Zarife El Moniet in einer Gesamtreitzeit von
7 Std. 58 Min. Im bayrischen Volkach wohnend konnte sie jedoch nicht
Hessenmeisterin werden, und so ging der Titel an Henning Doderer aus Waldems
(8 Std. 01 Min.), dessen Partbredstute Khandi mit 18 Jahren ältestes Pferd
im Feld war und sich nach einem Zuchteinsatz wieder in alter Form zeigte.
Vizemeister wurde der Hintersteinauer Heinz Leipold (8 Std. 05 Min.), der
mit der
Vollblutaraberstute Shiwa seine vier Minuten Rückstand vom Vortag nicht
aufholen konnte, gefolgt von Harry May aus Neu-Anspach auf Giofra (8 Std. 13
Min.). Platz 5 im Gesamtklassement (4. in der Hessenwertung) ging an Ellen
Weiß
auf der Pintostute Yuma (8 Std. 22 Min.) vor Dr. Christiane Stehr auf Bint
Kaysouna, Roderick Bundels auf dem Budjonny Beisbol und Claudia Operchalsky
auf
Shazim. Es folgten Susanne Fischer auf ihrer Reitponystute Lea und zu guter
Letzt Dr. Monika Kröz, die ihr Erfolgspferd Reitar zu Hause gelassen hatte
und
stattdessen den Vollblutaraberhengst Mubarak zum ersten Mal auf einem langen
Ritt einsetzte.

Nachdem alle Pferde die Nachuntersuchung hinter sich hatten, ging es dann
gleich wieder an das Satteln für die Siegerehrung. Doch vor der
Preisverleihung mußten die Reiter erst noch den morgendlich Start für das
Kamerateam von
hessen 3 nachstellen. Bereits am Samstag hatte man Teile des Rittes gefilmt
sowie Aktive interviewt, und noch am Sonntagabend wurde den Zuschauern der
Hessenschau unser Sport in einem kurzen Bericht vorgestellt.

Bei der Siegerehrung wurden alle Teilnehmer reichlich beschenkt. Es gab
Pokale für die ersten drei der Birstein-Distanz sowie für die brei besten
der Hessenwertung, die zusätzlich auch noch Medaillen erhielten. Auch für
den Konditiospreis gab es einen Pokal, und der ging an Harry Mays
Vollblutaraberstute Giofra. Zusätzlich hatte der Veranstalter unzählige
Sachpreis organisiert, so daß auch die letzten noch einen Helfer zum Tragen
brauchten; Heurechen, Mistgabeln, Futtersäcke und vieles mehr wurden
verteilt.
Anschließend konnte man sich noch bei Kaffe und Kuchen für die Heimfahrt
stärken und so diese rundum schöne und von Dieter Hannes und seinem Team des
Bisteiner Distanzvereins gewohnt gut organisierte Veranstaltung ausklingen
lassen.
Sabine Althaus

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