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Rittbericht
Heidedistanz


von Sian Griffiths und Kommentar von Conny Koller

Pepper Mint FRH gewinnt Heidedistanz

Auf dem ältesten Hundertmeiler Deutschlands, der Heidedistanz, die den Traditionshundertmeiler Hamburg-Hannover fortsetzt, konnte dieses Jahr die Hannoveraner-Stute Pepper Mint FRH den Sieg erringen.

Der Ritt hat einige traditionelle Besonderheiten wie den Start um Mitternacht zu Fackelschein. Das erste Teilstück bis ca. 60-70 km wird in Dunkelheit geritten, nur erhellt vom Licht des Vollmonds. Und wie verabredet klarte der Himmel gegen Freitag Abend auf um dem Vollmondlicht freie Bahn zu machen. In Verbindung mit Nebel gegen 4 Uhr ergaben sich wunderschöne, fast märchenhafte Stimmungsbilder.
Ein recht großes Starterfeld hatte sich eingefunden. 13 Reiter wagten sich an die 160 km und 22 an die 85 km.
Mit verschiedenster Beleuchtung, Reflektoren, Blinklichtern, Helmlampen ausgerüstet, wurde um 0.00 Uhr der Start nach einem Schluck Schlehenwein freigegeben. Die Reiter starteten ruhig, nur eine Reiterin überholte auf dem Fußweg trabend das Feld, weil sie ihr Pferd nicht halten konnte.
Ein Trot-By bei 20 km und zwei Pausen von je 30 min Länge unterbrachen die nachtstrecke. Bis zum 60 iger Stopp war die Strecke mit gut sichtbaren Knicklichtern markiert. Ein mit einem Absperrband gesperrter Weg, an dem auch die Markierung entfernt wurde, sorgte für einige Verreiter, denn nur wer, in der Nähe des Truppenübungplatzes, den Mut hatte, diese Absperrung zu umrunden konnte auf die richtige Strecke gelangen. So nahm die Spitzengruppe einen längeren Umweg von ca.30 min in Kauf, um die Absperrung zu umgehen und trotzdem wieder auf die Strecke zu gelangen.
So kam das Feld recht geschlossen in den 85 iger Stopp und die längste Pause von 60 min. Hier gab es die Möglichkeit zu beenden und am Frühstückstisch die erste Müdigkeit mit Kaffee und Brötchen zu bekämpfen. Als erstes machten sich Christina Gerloff mit Condor und Sian Griffiths mit Pepper Mint FRH wieder auf den Weg, dicht gefolgt und bald eingeholt von Iris Badke und Dinah und einer weiteren Reiterin.
Der nächste Stopp war am Hotel Tütsberg mitten im Naturschutzpark Lüneburger Heide. Die ersten Bremsen fanden sich ein und es fing an, warm zu werden. Hier ging die Vierer-Gruppe wiederum als erstes auf die Strecke, in einigen Minuten Abstand gefolgt von Uta Wilhelmi mit dem ältesten Pferd des Rittes Masahib (WM-Teilnehmerin in Den Haag) und Ina Borgwart mit Partout.
Von hier ging es auf schönen Sandwegen und in malerischer Kulisse auf den Reitwegen bis zum 121iger Stopp in der Nähe von Undeloh. Jeder Stopp der Strecke war mit einer 30 ig minütigen Pause eingeplant und bot genug Zeit, die Pferde zu versorgen und für die Reiter etwas Erholung zu bieten.
Da Condor einen Tiefpunkt hatte, machte Christina, die ihren ersten Hundertmeiler anging, ab 121 km etwas langsamer und schloß sich Ina und Uta an, die mit Abstand Sian mit ihrer "Peppy" folgten. Diesen Abstand konnte Pepper Mint FRH auch weiter ausbauen. Auf tiefen Sandwegen ging es im Bogen um Undeloh nach Döhle und von da nach Ollsen. Diverse Touristenkutschen unterbrachen immer wieder den Trabrythmus. Kurz vor dem 140iger Stopp fing es an zu gewittern und Regen setzte ein. Im Stopp verstärkte sich der Regen massiv und die Pause wurde von der Tierärztin kurzerhand auf 20 min verkürzt, damit die Pferde nicht auskühlten.
Die Sandwege verwandelten sich rasch in Schlamm und Pfützen und die freien Flächen waren im Gewitter nur schnell und mit eingezogenem Kopf und Hoffen zu überqueren Erst kurz vor dem Ziel in Brackel hörte es dann auf zu regnen. Die gelbe Markierung aus Forstbändern war durch den Regen mit den Blättern verklebt und kaum noch zu sehen.
Kurz vor 15 Uhr trabte Pepper Mint FRH dann über die Ziellinie und da hatte noch keiner damit gerechnet, so daß das Ziel erst hastig aufgebaut werden mußte und auch noch kein Pulsmesser anwesend war. Die meisten schliefen selig...!
Als versierte Pulsmesserin sprang dann Karin Sellmer ein, das Nachmessen besorgte dann eine Pulshelferin und kurz danach traf auch die Tierärztin ein.
Nicht ganz eine Stunde später, kamen dann Christina, Ina und Uta herein- wegen des Hengstes nicht Hand in Hand, aber dennoch, da Minutenwertung, alle auf dem zweiten Platz. Erst viel später traf dann Heike-Kalina Meyer mit Ceresah auch im Ziel ein.
Marit Haase und Zarewisch beendeten bei 140 km den Ritt.
Bei einem üppigen Buffet und Lagerfeuer wurde dann am Abend der Ritt gefeiert.
Am nächsten Morgen fand die Nachuntersuchung statt. es gab nur wenige Ausfälle, aber die beiden Tierärztinnen waren sehr streng- jede geringe Unregelmässigkeit führte zum Ausschluß oder das Pferd mußte nochmal vorgestellt werden oder mehrmals vortraben. Leider traf es hier auch Partout von Ina Borgwart, die endlich einmal den Ritt im Ziel beendet hatte.
Die Siegerehrung fand im schönen Rahmen mit gesattelten Pferden statt und einer großen Ehrenrunde um die Wiese. Einsetzender Regen unterbrach die Ehrung kurzfristig und setzte sich nach Ende auch weiter fort.
Ihren ersten Hundertmeiler beendete Christina Gerloff mit ihrem Araberwallach Condor auf dem zweiten Platz zusammen mit dem Oldie Masahib und Uta Wilhelmi, der sich hervorragend präsentierte und keinerlei Rückschlüsse auf sein gehobenes Alter zuläßt!
Ein schöner Erfolg auch für Pepper Mint FRH, die nach einer schweren Verletzung auf der DM 99 die letzte Saison nur verhalten geritten wurde und sich nun wieder in alter Form präsentierte.
Ein absolut gelungener Ritt, dessen Veranstalterteam: Tanja Wedemeyer, Silke Hünecke und Katja Wittfoht neben diversen Helfern zu einem wunderschönen Erlebnis machen!
Dankeschön!

Sg


Kommentar:
Wollte auch noch gerne ein riesiges Lob an die Veranstalter und Helfer loswerden...

Der Ritt war so, wie man ihn sich gewünscht hat.

Tolle Atmosphäre, tolle Strecke, tolle Markierung, tolles Essen.

Aber noch ein kleiner Kommentar zu dem versperrten Weg...(Der richtige Weg war mit einem Bauband versperrt, die Markierung etwa 50 m entlang der Strecke entfernt.)

Nach einer perfekten Markierung sowohl in der Nacht als auch tagsüber wundere ich mich, dass nicht mehr Reiter früher skeptisch wurden. Zumal der Truppenübungsplatz noch weit entfernt war.
Auch ich bin erst den Hufspuren nachgeritten, aber sofort umgedreht, weil es mir wegen der fehlenden Markierung spanisch vorkam. Aufgrund markanter Stellen im Vorfeld konnte man auf der Karte schnell sehen, wo man war und dass besagter Weg der richtige sein muss. Wer sich nicht traute, das Flatterband zu ignorieren, hätte nur einen Umweg von 50 m in Kauf nehmen müssen, indem er nicht nach links, sondern rechts abbiegen hätte müssen. Der nächste Weg mündete nach etwa 300 m wieder auf der Strecke. Die Orientierung war auch für Nicht-Kartenprofis aufgrund der vielen Waldränder an dieser Stelle denkbar leicht.

Gerade in Gruppen sollte man eben nicht blind dem Vorausreitenden vertrauen, sondern lieber selbst nach dem Weg sehen - auch wenn irgendwann die Ermüdung einsetzt. Ich hatte den Eindruck, dass es da manchmal schon sehr hektisch zuging und im "Eifer der Gefechts" mehrmals falsch abgebogen wurde - so dass sogar andere Trossleute die Reiter korrigieren mussten.

Ich will das hier nur noch einmal loswerden, da ich es sehr schade fand, dass deshalb die Veranstalter angegriffen wurden, die sich eine riesige Mühe gemacht haben. Zumal in der Vorbesprechung betont wurde, dass sie gehört hätten, dass an anderer Stelle abmarkiert worden und dass deshalb besondere Vorsicht geboten wäre - mit dem Hinweis, dass letztendlich die Karte verbindlich wäre.

Den Ärger dann an anderen abzuladen, ist nicht nett. Ärgern sollte man sich in solchen Situationen höchstens über sich selbst. Also das nächste mal: Augen auf und Ruhe bewahren, statt einfach in irgendeine Richtung zu preschen.

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