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Das Handy klingelt, als der mdr-Kameraassistent Jörg Tröger gerade beide Hände braucht, um
den Jeep einen schmalen Waldweg entlang zu lavieren. "Wir sind hier gerade am Fichtelberg bei einem Pferderennen",
erzählt er dann seinem Bekannten. Und hat keine Zeit mehr für lange Gespräche, denn da unten, vom
Waldrand her, müssten jeden Augenblick die eine halbe Stunde zuvor in Zweier- und Dreiergruppen gestarteten
Reiter auftauchen.
Doch erst kommt eine lange Zeit niemand, dann nur Dirk Frenzel. Und auch nicht im flotten Galopp, den sie sich
bei dieser Aufnahme - mit den Tälern im Hintergrund - so schön vorgestellt hatten. Dirk, der mit Kelim
aus Bückeburg angereist war, ruft dem Fernsehteam im Vorbeitraben zu, dass einige da unten mit der Überquerung
einer schlammigen Stelle Probleme haben, und verschwindet Richtung Rittersgrün. In sechs Stunden, die Kontrollstopps
und die Pausen bei den tierärztlichen Kontrollen inbegriffen, wird er am Ende das Ziel erreichen.
Immerhin, am steilen Abstieg kurz vor dem ersten Stopp sind die Fernsehleute zur rechten Zeit an der richtigen
Stelle. Einige Grüppchen sind noch beisammen und klettern bergab, mit den Pferden an der Hand. Die Förster
und die Reitwegebeauftragte des Landkreises Aue/Schwarzenberg durch deren Entgegenkommen und Mitarbeit bei der
Streckensuche diese Distanzrittpremiere in Sachsen überhaupt möglich wurde, haben für diese durchfurchte
Schneise die Bedingung gestellt, dass nicht geritten, sondern geführt wird.
Zwei Kilometer weiter wartet Tierarzt Dr. Dieter Soller auf die 16 Teilnehmer des 60-Kilometer-Rittes. Die Protokollantin
daneben notiert den Pulswert jedes Pferdes bei der Ankunft am ersten Vet-Check. Nach 20 Minuten dürfen die
Reiter weiter, sofern der Wert die Grenze von 64 erreicht oder unterschritten hat und das Pferd beim Vortraben
noch sauber läuft. Keine Probleme, alle dürfen weiter.
Von nun an geht es auf schmalen Grenzpfaden entlang immer bergauf. Sabine Müller hatte sich den Anstieg von
über 300 Höhenmetern auf einer Länge von vier Kilometern am Abend zuvor bei der Streckenbesprechung
mit rotem Textmarker dick auf der Karte angestrichen. Aber ihr Criollo schaffte zwar noch den langen Kanten hinauf
zum Fichtelberg, aber erholte sich binnen der vorgeschriebenen zwanzig Minuten nicht genügend. Ende eines
Distanzrittes nach der Hälfte der Strecke. Sabine ist aus der Wertung "Wir haben immer wieder mit dem
Vorurteil zu tun, dass Langstreckenritte auf Kosten der Pferde ausgetragen werden", sagt Silke Scheller, "
aber kein konditionell überfordertes Pferd darf beim ersten Anzeichen von Überforderung weiter laufen."
Sie selbst kommt mit fast Ruhewerten an den zweiten Kontrollpunkt - gelaufen. Wann der Reiter mit wie viel Fußmarschkilometern
und an welchen Stellen zwischendurch dafür sorgt, dass sich sein Pferd erholt, das gehört zu Erfahrungswerten,
die jeder Distanzreiter selber sammeln muss. Das Pulsmessgerät am Sattelgurt oder die Trossmannschaft mit
reichlich Wasser und dem Stethoskop zur Hand sind dabei hilfreiche Begleiter. Den nötigen Biss, den Willen
zu Laufen, den müssen Reiter und Pferd bei jedem Distanzritt jedoch selber mitbringen. Im übrigen war
die verbale Aufforderung "Komm, komm", oder ein aufmunterndes Schnalzen die einzige "Laufhilfe"
bei diesem Ritt. Niemand hatte ein Gerte dabei oder trug gar Sporen. Und selbst, wer in flottem Wanderreittempo
unterwegs ist, bleibt in der Wertung.
Neben ihren Pferden her laufende Reiter, ein halbstündiges Warten auf den nächsten, der zum zweiten Vet-Check
kommt, fressende Pferde in den Pausen - nein, es sind keine spektakulären "Rennbilder", die mdr-Redakteurin
Bettina Wobst und ihre beiden Männer an Kamera und Mikro an diesem Sonnabend noch einfangen, keine Rennbilder,
keine Galopps.
Und jene Reiter , die im tiefen Erzgebirgswald nach dem dritten Kilometer Aufstieg ans Aufgeben dachten, sich -
allein zwischen hohen Fichten - dann wieder aufrappelten, bis zur Kontrollstelle liefen, haben gemeinsam mit dem
Reitpony ihre Grenze gesehen - für dieses Mal. Aber vielleicht auch Lust gewonnen. Wer Distanzen angeht, bleibt
ewig ein Grenzgänger zwischen Willen und Kondition, er kann sich überfordern, aber nie sein Pferd.
"Alle angekommen", freut sich abends Andreas Häfele. Gemeinsam mit Michael Klaproth vom Pferdehof
Stella in Markersbach hat er die Distanzpremiere in Sachsen vorbereitet und organisiert. Für beide steht jetzt
schon fest: auch im nächsten Jahr wird es wieder einen Fichtelbergritt geben in Sachsen. Denn wenn auch Starter
wie der Bielefelder Christian Taubner zumeist im schnellen Trab beim Premierenritt unterwegs war, für die
Ausblicke zwischen den Kämmen und die Atmosphäre hatte er schon einen Blick und fand sie "bezaubernd".
Statistik: Älteste Teilnehmerin war Birgid Schulz mit 61 Jahren auf Smaragd
Jüngste Teilnehmerin war Maria Taubner auf Geisha mit 21 Jahren
Mit Tempo 4,8 (ein Kilometer in 4,8 Minuten kamen die schnellsten Teilnehmer an)
Informationen: Vom Pferdehof Stella wird demnächst erneut ein Vorbereitungslehrgang
für Distanzritte angeboten. Info unter 03774-821122
Am 1. August ab 20.15 Uhr wird eine Reportage über den ersten Distanzritt in Sachsen in der Sendung "Biwak"
des mdr ausgestrahlt.
Vielen Dank!
Sg
Rittbericht über den Fichtelbergritt 2001
Zum ersten Mal in Sachsen sollte ein Distanzritt durchgeführt werden. Der Ritt wurde von Andreas Häfele
wie ein langer DR organisiert. Es ging über 60 km und 300 Höhenmeter im Streckenverlauf. Start und Ziel
waren in Markersbach. Aufgrund der erheblichen Auf- und Abstiege war es ein sehr anspruchsvoller Ritt bei dem Hufschutz
dringend empfohlen wurde.
Es wurde einzeln oder in Gruppen von bis zu 3 Reitern ab 8.00 Uhr gestartet. Das Tempo war frei. Die maximale Rittzeit
lag bei 720 min, was wohl in der Schwere der Strecke begründet lag.
In Markersbach angekommen stellten wir schnell das Paddok auf, da hierfür wenig Platz und der auch nur auf
Hackschnitzel vorhanden war. Allerdings stand genügend Grünfutter zur Verfügung.
Auf Wunsch konnten die Pferde auch in Boxen untergebracht werden. Für die eigene Übernachtung konnte
man zwischen Zimmer oder Tippi wählen, oder das eigene Zelt aufstellen.
Für Frühstück und Abendessen wurde ebenfalls gesorgt.
Am Abend vorher fand die Rittbesprechung gegen 21.00 Uhr statt. Der Ritt selbst war wie in der Ausschreibung schon
beschrieben sehr anspruchsvoll. An dieser Stelle möchte ich anmerken, daß mir leider die Vergleichsmöglichkeiten
fehlen, da dies meine erste Distanz war. Die erste Pause lag bei KM 20 nach einem etwa 200 m langem Abstieg, der
nur zu Fuß überwunden werden konnte. Nach der Pause ging es nach einem etwa 1,5 km langem Aufstieg,
der an der Grenze des Reitbaren lag an der Czeschischen Grenze entlang bis über den Gipfel des 1214 m hohen
Fichtelberges nach Oberwiesental. Hier die 2. Pause bei KM 40. Die restlichen 20 km fielen vergleichsweise leicht.
Es ging stetig auf teilweise sehr schönen Wegen bergab. Auf halber Strecke zum Ziel lag noch ein Vetcheck
und nach den letzten Kilometern bergab Klettern erreichte man das Ziel wieder in Markersbach. Der erste brauchte
glaube ich 4h und 50 min, wir trafen nach 9 h und 15 min ein. Das Feld hatte sich unheimlich auseinandergezogen,
was wohl auch durch viele verschwundene Markierungen begründet war.
Insgesamt fand ich es eine gelungene Veranstaltung. Die Ergebnisliste werde ich noch nachreichen. Wen es interessiert;
am 01.08.2001 soll in der Sendung Biwak (??? hoffentlich richtig geschrieben) auf dem MDR ausführlicher darüber
berichtet werden. Hoffentlich hat man unser dummes Gerede herausgeschnitten *ggg*
Viele Grüße von Wenke und den Bären
Vielen Dank!
Sg |