Gerade die Wintermonate
eignen sich hervorragend um an der Geschmeidigkeit des Distanzpferdes zu
arbeiten, um Defizite auszugleichen und die Bewegungen zu verbessern. Neben der
gymnastischen Arbeit in Halle, Bahn und Gelände ist eine gute Möglichkeit
hierfür auch die Longenarbeit.
Das viel praktizierte „Laufenlassen“ an der Longe am Halfter vermag diesen
Zweck verständlicherweise nicht zu erfüllen. Zum korrekten, sinnvollen
Longieren sollte das Pferd entsprechend vorbereitet und gearbeitet werden. Longen gibt es in
unterschiedlichsten Materialen. Es bleibt jedem selber überlassen, welches ihm
am besten liegt. Für eine feine Einwirkung ist aber eine Longe aus flachem
Baumwollmaterial mehr zu empfehlen als eine runde oder eine aus Nylon. Neben
der Longe gehören eine gutsitzende Zäumung, ein Beinschutz, ein Longiergurt und
eine nicht zu schwere Longierpeitsche zur Ausrüstung.
Das erwähnte Halfter ist
deshalb ungeeignet, weil es keine präzise Einwirkung ermöglicht. Es sitzt nicht
fest genug am Kopf und rutscht dem Pferd auch schon mal ins Auge. Wer gebisslos
arbeiten möchte, kann dies besser mit einem gut sitzenden Kappzaum tun. Auch
wenn er preislich deutlich höher liegt, ist auch hier der lederne, schwerere
dem leichten Nylonzaum vorzuziehen, der deutlich leichter verrutschen kann.
Wer eine Trense nimmt, sollte auf ein Gebiss achten, welches nicht seitwärts
verrutschen kann, z.B. eine Knebeltrense oder Olivenkopf. Allerdings kann man
auch die Longe so einschnallen, dass man einen Riemen des Reithalfters mitnimmt
und dadurch das Gebiss fixiert. Nicht zu empfehlen sind Longierbrillen, die die
Wirkung der Longe auf das Gebiss verfälschen und nur außen wirken. Dann lieber
die Longe durch den Trensenring über das Genick des Pferdes durch den anderen
Trensenring führen und so für Stabilität sorgen.
Bei der Longenarbeit würde
ich jedem Pferd einen Beinschutz
anlegen. Das Arbeiten auf so engem Raum stellt eine große Belastung der Beine
dar und das Verletzungsrisiko ist groß, deshalb lieber vorbeugen. Gut sind
Bandagen, die die Beine stützen und gleichzeitig wärmen. Bei Pferden, die dazu
neigen sich anzuschlagen sind allerdings die höher belastbaren Gamaschen zu
bevorzugen.
Der Longiergurt bietet,
anders als der Sattel, deutlich mehr Verschnallungsmöglichkeiten für die Longe
und die Hilfszügel. Wer keinen hat, kann sich mit eingeschnallten Ringen in den
Gurt behelfen. Für die Doppellongenarbeit ist der Longiergurt am besten
geeignet.
Gute Longierpeitschen liegen
nicht zu schwer in der Hand und sind lang genug, das die Peitschenschnur das
Hinterteil des Pferdes touchieren kann. Beim erfahrenen Pferd oder einem,
welchem viel Respekt vor der Peitsche hat, kann man auch mit einer
Touchiergerte gut arbeiten.
Die Hilfengebung beim
Longieren wird in der klassischen Lehre größtenteils auf die Stimme und die
Peitsche reduziert. Das Pferd verfügt aber über eine wesentlich
differenziertere Sprache: Körpersprache. Wer diese geschickt einzusetzen weiß,
kann das Pferd mit feinsten Körpersignalen zu jedem gewünschtem Ziel bringen.
Bei entsprechender Erfahrung kann der Ausbilder das Pferd so ohne Longe und
ohne Peitsche arbeiten und kommt zum gleichen Ziel.
Hilfszügel sollte man mit
Bedacht einsetzten. Einige Pferde arbeiten besser, ohne jede Einengung durch
einen Hilfszügel, andere kann man nur mit dem richtigen Hilfszügel sinnvoll
arbeiten. Absolut abzuraten ist von starren Ausbindern, die dem Pferd keine
Möglichkeit lassen, sich nach vorwärts-abwärts zu strecken. Auch ein Stoßzügel
kann problematisch sein, wenn sich das Pferd zu tief heranstreckt und hineintritt. Bewährt zum Longieren hat sich
ein Chambon auch als Gogue verschnallt auch Schlaufzügel kann man sinnvoll
verwenden. Noch besser geeignet sind aus unserer Erfahrung elastische Ausbinder
z.B. der so genannte Halsverlängerer. Diesen kann man als Chambon verschnallen
mit einer Lasche unten am Gurt angebracht oder seitwärts als Dreieckszügel. Das
dehnbare Material ermöglicht dem Pferd den Weg in die Tiefe und gibt ihm dennoch
genug Anlehnung.
Das Longieren kann fast
überall erfolgen, am einfachsten lässt es sich in einem entsprechend
eingezäuntem Platz bewerkstelligen, aber beim trainierten Pferd ist es auch mal
sinnvoll, bewusst unebenes Gelände oder Bodenwellen zu suchen. Beim jungen und
untrainiertem Pferd sollte die Arbeit auf großem Zirkel erfolgen (mind. 10 m).
Beim routinierteren Pferd kann man den Zirkel beliebig verkleinern, je nach
Trainingszustand und Trainingsziel.
Das Longieren belastet die
Beine des Pferdes recht stark und sollte möglichst nicht über 20-30 min
hinausgehen. Begonnen wird am besten auf der schlechteren Seite und dort sollte
die Arbeit auch enden, so wird diese Seite automatisch mehr trainiert.
Jedem Arbeiten sollte eine
entsprechende Aufwärmphase mit viel Schritt vorgeschaltet sein. Dann beginnt
man mit der lösenden Arbeit im Trab mit vielen Übergängen vom Schritt zum Trab
und umgekehrt und Tempiwechseln innerhalb der Gangart. Stufenweise kann hier
beim erfahreneren Pferd auch der Wechsel zwischen großen Linien und kleineren Volten
eingebaut werden.
Zur lösenden Arbeit sollte
auch der Galopp zählen, zeigen sich hier noch Unsicherheiten, das Pferd wird zu
schnell, kann den richtigen Galopp nicht halten oder verliert das
Gleichgewicht, sollte der Galopp evt. Noch weggelassen werden und erst in einem
späteren Ausbildungsstand bei entsprechendem Gleichgewicht wieder hinzugenommen
werden.
Die Arbeitsphase sollte sehr
abwechslungsreich gestaltet werden. Auch hier kann mit vielen Übergängen auch vermehrtes
Versammeln und Verlängern die Reaktionsschnelligkeit und das energische Abfußen
verbessert werden. Ein häufiges Verkleinern und wieder Vergrößern der
Zirkellinie mit entsprechendem Verkürzen bzw. Verstärken der Bewegungen fördert
Beweglichkeit und Geschmeidigkeit.
Interessant für das
Distanzpferd ist bei der Longenarbeit neben dem Verbessern der Losgelassenheit,
der Geschmeidigkeit und des Gleichgewichts vor allem die Verbesserung der
Trittlänge. Unabhängig vom Reiter kann man dem Pferd so beibringen, die
Schwebephase deutlich zu verlängern und so mit weniger Kraftaufwand mehr Boden
gut zu machen.
Das erreicht man einerseits
durch ein häufiges kurzes Verstärken aus einer deutlichen Losgelassenheit mit
aufgewölbtem Rücken, wobei immer nur wenige Tritte gefordert werden sollten,
ohne dass das Pferd eiliger wird. Andererseits kann man sich auch mit
Stangenarbeit behelfen. Hierbei werden zunächst nur 2-3 Stangen (noch besser
sind flache Planken oder Cavalettis, die nicht wegrollen können!) auf der
Zirkellinie ausgelegt. Die Innenseite liegt dabei dichter beieinander als die
Außenseite und ermöglicht so ein Variieren in den Abständen. In der Mitte
beträgt der Abstand zunächst ca. 120-130 cm (bei kleineren Pferden und Pferden
mit sehr kurzen Bewegungen evt. Auch noch weniger). Entsprechend ist die
Innenseite enger in den Abständen bzw. die Außenseite weiter. Es erfordert
etwas Übung und Geschick des Longierers, das Pferd exakt über die gewünschte
Mitte zu führen. Neigt das Pferd zu Ausbrechen nach Innen oder Außen, so kann
man hier Fänge anlegen um dies zu verhindern. Wenn das Pferd sicher über die
Stangen trabt und dabei den Rücken schön aufwölbt, kann man entweder mehr
Stangen nehmen oder die Abstände vergrößern. Nicht beides gleichzeitig um das
Pferd nicht zu überfordern! In unserer Arbeit mit verschiedenen Pferden haben
wir festgestellt, dass sich die Abstände, je nach Pferd und Begabung, bis über
220 cm auseinander ziehen- was allerdings ein sehr gut trainiertes Pferd mit
einem sehr raumgreifenden Trab voraussetzt.
Auch hierbei ist das Geschick
des Longierers gefordert. Das Pferd sollte sich zwei bis drei Pferdelängen vor
den Stangen deutlich aufnehmen und im Trab verkürzen lassen um dann zu den
Stangen hin die Tritte aus dieser Versammlung heraus zu verstärken. Das
Verkürzen ermöglicht dem Pferd ein stärkeres Unterschieben der Hinterhand und
ein daraus resultierendes stärkeres Abstoßen über den Stangen. Das Pferd wird
nicht schneller in den Bewegungen, sonders stößt sich mehr ab und verlängert so
die Schwebephase und macht mehr Boden bei gleicher Trittanzahl gut.
Eine weitere Variante um auch
die Trittsicherheit in unebenem Gelände zu schulen, ist das einseitige oder
abwechselnde Erhöhen der Stangen. Auch hier sollte man immer vom leichten zum
Schweren vorgehen und die Stangen nicht so hoch legen, dass das Pferd springen muss,
denn dann wird der Trabrhythmus gestört.
Das gleiche gilt auch für die
Galopparbeit, wobei sich hier anstelle der Stangen etwas erhöhte Cavalettis als
In-Out aufgestellt bewährt haben. Die Anfangsabstände sollten hier mittig
gemessen um 270-300 cm liegen und lassen sich entsprechend der Veranlagung bis
ca. 420 cm auseinander ziehen.
Hierbei muss der Longenführer
sehr gefühlvoll mit der Longe mitgehen um dem Pferd größtmögliche Freiheit zu
lassen. Ein Ziehen im Maul kann das Pferd in der Konzentration stören und es
aus dem Gleichgewicht bringen.
Um die Koordination des
Distanzpferdes zu schulen kann man auch, wie oben schon erwähnt, das Longieren
ins Gelände verlegen. ZB erfordert ein Longieren am Hang vom Pferd ein selbstständiges
Aufnehmen und Verkürzen bergab und ebenso ein Verstärken und Langmachen
bergauf. Das Longieren über Bodenunebenheiten schult die Trittsicherheit und
Reaktionsschnelligkeit.
Noch effektiver aber auch
schwieriger ist der Umgang mit der Doppellonge auf den wir in einem weiteren
Artikel eingehen werden.
©Sian Griffiths Lynn Griffiths
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